«Charlie», Mali, Internet: Frankreichs Kampf gegen den Terror

Es geht um einen französischen Grundwert: Freiheit. Erster Begriff in dem weltberühmten Dreiklang der französischen Revolution neben Gleichheit und Brüderlichkeit.

«Wieder einmal zielen die Terroristen auf die Freiheit von Meinungsäußerung und Information», konstatierte Außenminister Laurent Fabius. Zuvor hatten Cyberattacken stundenlang den französischen Sender TV5 Monde lahmgelegt.

Der feste Willen der Regierung ist in allen Statements nach dem jüngsten Angriff über das Internet zu hören. «Unsere Entschlossenheit zur Bekämpfung des Terrorismus ist total», sagte Fabius.

Die Regierung will verhindern, dass «solche Cyberattacken in der Zukunft die Meinungsfreiheit bedrohen werden». Innenminister Bernard Cazeneuve erinnerte umgehend an 500 geplante neue Polizeistellen, bei denen es auch um Internetsicherheit geht. Er war vor kurzem bereits in den USA, um mit den Betreibern großer Internetplattformen zu beraten. Paris will etwa Enthauptungsvideos auf populären Seiten im Netz verhindern.

Im Verteidigungsministerium ist sich Ressortchef Jean-Yves Le Drian sicher: «Der Cyber-Krieg ist der Krieg von morgen, der heute schon beginnt.» Die Armee sieht sich einem Feind «mit den Waffen modernster Technologie» gegenüber. Dort werden Spezialisten, staatliche Institute und militärische Einrichtungen gebündelt zu «Cyber défense», virtueller Verteidigung. Le Drian spricht von einer «vierten Streitkraft», die der Herausforderung begegnen soll. Früher reichten die drei Armee-Klassiker zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Frankreichs Bodentruppen sind ebenso wie Luftstreitkräfte und Marine im Dauereinsatz gegen Terroristen weltweit. Seit 2014 fliegen französische Kampfjets im Rahmen einer von den USA geführten Streitmacht Angriffe gegen Terrortruppen des Islamischen Staats (IS). Die vermeintlichen Verantwortlichen der aktuellen Cyberattacke ziehen eine direkte Verbindung zu den französischen Kämpfen gegen den IS.

Vor mehr als zwei Jahren schickte Paris Einheiten gegen radikale Islamisten nach Mali. Der Kampf ist inzwischen als Operation Barkhane mit 3000 Soldaten ausgeweitet auf die Sahelzone mit Mauretanien, Mali, Niger, Tschad und Burkina-Faso.

Erst vor wenigen Tagen hoben französische Elitetruppen ein Terrornest im Norden Malis aus. Die Befreiung eines vor mehr als drei Jahren entführten Niederländers war dabei eher zufällig, weil es zu dessen Aufenthalt in dem Versteck keine Hinweise gab.

Die Zeit zahlreicher Entführungen ist in Paris noch immer präsent. Immer wieder wurden Franzosen von Terrorgruppen in Afrika oder dem Nahen Osten verschleppt, einige ermordet, die anderen befreit.

Auch Gedanken an die Terrorserie vom Januar in Paris wurden beim aktuellen Cyberangriff wieder wach. Bei den Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo», einen koscheren Supermarkt und eine Polizistin starben 17 unschuldige Menschen.

Nach den Terroranschlägen von Paris waren französische Web-Seiten Ziel massiver Hacker-Angriffe. In wenigen Tagen registrierte der für Cyber-Angriffe zuständige Vizeadmiral Arnaud Coustillière 19 000 Attacken. Auf den gehackten Seiten wurden Flaggen oder islamistische Parolen platziert. Die Ziele waren vielfältig: öffentliche Einrichtungen, private Firmen bis hin zu einer Pizzeria.

Das Innenministerium hat mit Pharos eine Plattform, auf der Angriffe oder Auffälligkeiten gemeldet werden können. Im vergangenen Jahr gab es fast 140 000 solcher Signale. Pharos zeigt nach Einschätzung der Nationalen Kommission für Menschenrechte die quantitative Dimension. Die Probleme sind damit noch nicht gelöst.

Paris spricht schon jetzt von einer Attacke «neuen Ausmaßes». Die Angreifer vom Donnerstag kündigten umgehend neue Aktionen an: Das «Cyber-Kalifat» will den «Cyber-Dschihad» gegen IS-Feinde fortsetzen.