Angriff auf US-Militär: Keine Hinweise auf Verbindung zum IS

Nach dem tödlichen Angriff auf zwei Militäreinrichtungen im US-Bundesstaat Tennessee prüfen die Behörden weiter Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Konkrete Anzeichen auf eine Verbindung des 24-jährigen Täters zur IS-Terrormiliz lägen zunächst nicht vor, sagte ein FBI-Ermittler am Freitag (Ortszeit) vor der Presse in Chattanooga.

Angriff auf US-Militär: Keine Hinweise auf Verbindung zum IS
Erik S. Lesser Angriff auf US-Militär: Keine Hinweise auf Verbindung zum IS

Mohammad Youssef Abdulazeez hatte am Donnerstag zwei Militäreinrichtungen in der Stadt angegriffen und vier Marineinfanteristen getötet. Mehrere Menschen wurden verwundet. Auch der Schütze, der Medienberichten zufolge aus Kuwait stammt, aber schon lange in der Region lebte, kam bei der Attacke um. Er sei mit großer Wahrscheinlichkeit von der Polizei erschossen worden und habe sich nicht selbst getötet, teilte FBI-Ermittler Ed Reinhold mit.

Bislang gebe es weder Anzeichen, dass es sich «um einen vom IS inspirierten noch gesteuerten Angriff» gehandelt habe, sagte Reinhold. «Wir nehmen momentan an, dass die Tat nur von ihm selbst ausging.»

Die Stadt gedachte der Opfer. Menschen legten an mehreren Stellen Blumen nieder. Die Terror-Ermittlungen bedeuteten nicht, dass es sich an Ende tatsächlich um eine terroristisch motivierte Tat handeln müsse, betonte Staatsanwalt Bill Killian. «Wir wollen lediglich sichergehen, dass wir jeden Ansatz verfolgen.»

Der Todesschütze war am Donnerstag zu einem Rekrutierungsbüro der Armee und anschließend zu einem Marinestützpunkt nahe Chattanooga gefahren und hatte aus seinem Cabrio heraus um sich geschossen. Er soll unter anderem mit einem Schnellfeuergewehr und 30 Magazinen Munition ausgerüstet gewesen sein. Damit habe er die herbeigeeilte Polizei einige Zeit auf Abstand gehalten und mindestens einen Polizisten verletzt. Die Ermittler sprachen am Freitag von mindestens drei Waffen.

Abdulazeez soll ein unauffälliger junger Muslim mit amerikanischer Staatsbürgerschaft gewesen sein, der Medien zufolge nur einmal wegen Trunkenheit am Steuer mit der Polizei zu tun hatte.

Der Täter habe einzig «wegen der Uniformen» auf die Soldaten geschossen, sagte Chattanoogas Polizeichef Fred Fletcher dem Sender CNN. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Täter keine Verbindung zum Militär. Laut der Lokalzeitung «Times Free Press» lebte er bereits lange in Tennessee. Er war gut ausgebildet, hatte einen Ingenieursabschluss und war in mindestens einem Sportverein aktiv. Nachbarn und Bekannte sprachen von einer gut integrierten Familie.

Präsident Barack Obama kommentierte die Bluttat als «herzzerreißende Situation. Wir nehmen alle bewaffneten Angriffe sehr ernst.» Sein Mitgefühl gelte den Familien der Opfer. Bürgermeister Andy Berke twitterte am Freitag, dass er «mit einem schweren Herzen» aufgewacht sei. An vielen staatlichen Einrichtungen der USA - besonders des Militärs - wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Das FBI durchsuchte mehrere Häuser in Chattanooga und befragte die Familie.

In den USA hatte es schon mehrfach Angriffe auf Militäreinrichtungen gegeben. Im April vergangenen Jahres etwa erschoss ein Soldat, der wenige Jahre zuvor im Irak gedient hatte, im Militärstützpunkt Fort Hood (Texas) drei Kameraden und tötete sich dann selbst.