Chemie-Tarifverhandlungen in entscheidender Phase

In die Tarifverhandlungen für die rund 550 000 Beschäftigten in der Chemieindustrie kommt Bewegung. «Es wird über Zahlen geredet», sagte ein Sprecher der Gewerkschaft IG BCE in Stuttgart.

Chemie-Tarifverhandlungen in entscheidender Phase
Uwe Zucchi Chemie-Tarifverhandlungen in entscheidender Phase

«Die Arbeitgeber hätten aber nach wie vor nicht die Spendierhosen an.» Es sei zu einer guten Gesprächsatmosphäre zurückgefunden worden.

Eine Sprecherin des Arbeitgeberverbands sprach von «konstruktiven Gesprächen». Es sei Ziel, zu einem Ergebnis zu kommen. Details zum Stand der Verhandlungen wurden nicht genannt. Die Gespräche waren am späten Donnerstagabend unterbrochen worden.  

Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft IG BCE, Peter Hausmann, hatte bei Fortsetzung der Gespräche erklärt, der Ausgang sei völlig offen. Es gehe um ein Gesamtpaket. Es ist die dritte Gesprächsrunde auf Bundesebene.

Die Verhandlungen verliefen für Branchenverhältnisse bislang ungewohnt kontrovers. Die Gewerkschaft hatte in den vergangenen Wochen ihre Mitglieder mobilisiert. Rund 100 000 Beschäftigte waren auf die Straße gegangen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.

Besonders strittig ist die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Branche. «Der chemischen Industrie geht es im Durchschnitt gut», hatte Hausmann zum Auftakt der Gesprächsrunde am Donnerstag erklärt. Die Arbeitgeber hingegen sprachen von einer schwierigen Lage.

Die Gewerkschaft fordert 4,8 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Arbeitgeber-Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen hatte die Forderung als zu hoch kritisiert. Die Arbeitgeber wollen die Entgelte nach zwei Leermonaten um 1,6 Prozent erhöhen und 200 Euro in einen sogenannten Demografie-Fonds einzahlen. Der Tarifvertrag soll 15 Monate halten.