China protestiert gegen Besuche in Japans Kriegstotenschrein

Japanische Regierungsmitglieder haben am Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg mit einem Besuch des umstrittenen Yasukuni-Schreins für die Kriegstoten scharfe Proteste in China, Südkorea und Taiwan ausgelöst.

China protestiert gegen Besuche in Japans Kriegstotenschrein
Everett Kennedy Brown China protestiert gegen Besuche in Japans Kriegstotenschrein

In dem Heiligtum unweit des Kaiserpalastes in Tokio werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Das chinesische Außenministerium bestellte am Donnerstag den japanischen Botschafter ein, um gegen den Umgang Japans mit der Weltkriegsgeschichte zu protestieren. Auch in Südkorea und Taiwan, die ebenfalls Opfer der japanischen Aggressionen waren, löste die Pilgergänge von zwei Ministern sowie Dutzenden anderen Politikern heftige Proteste aus.

Aus Rücksicht auf die wegen des Streits um eine unbewohnte Inselgruppe ohnehin stark angespannten Beziehungen zu China und den Empfindlichkeiten auch in Südkorea blieb Japans Regierungschef Shinzo Abe dem Schrein am Donnerstag fern. Der Rechtskonservative äußerte gleichwohl sein Bedauern, nicht in das Shinto-Heiligtum gehen zu können. Er bezahlte zudem eine Opfergabe für den Schrein, die ein Vertreter überbrachte, und vermied in einer Begleitbotschaft Hinweise seiner Amtsvorgänger auf die Verantwortung Japans für das während des Krieges in Asien angerichtete Leid, wie japanische Medien meldeten.

«Ich möchte meine Wertschätzung und meinen Respekt den Seelen derer zum Ausdruck bringen, die ihr Leben im Kampf für den Staat verloren haben», begründete Abe demnach seine Opfergabe an den Schrein. Er werde auch nicht sagen, wann und ob er den Schrein als Regierungschef besuchen wird. Dies zu sagen würde nur «politische und diplomatische Probleme» verursachen, zitierte ihn die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua kritisierte die Billigung der Ministerbesuche durch Abe und jüngste «provokative» Äußerungen seiner Kabinettsmitglieder. Die Staatsagentur warf der japanischen Regierung vor, mit ihrem beunruhigenden Rechtsruck «zu weit gegangen» zu sein. Japans Nachbarn hätten Angst vor einer «gefährlichen Wiederbelebung seiner militaristischen Vergangenheit».

Der chinesische Vizeaußenminister Liu Zhenmin übermittelte dem japanischen Botschafter den formellen Protest der Pekinger Regierung, wie Außenamtssprecher Hong Lei sagte. Schon vorher hatte China die Regierung in Tokio vor Pilgergängen japanischer Kabinettsmitglieder am Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gewarnt. Drei der 18 Minister der Regierung Abe besuchten den Schrein, darunter Innenminister Yoshitaka Shindo. Um die Kontroverse herunterzuspielen, wurde ihr Pilgergang als «privat» deklariert. Daneben pilgerte auch eine überparteiliche Gruppe von rund 90 Abgeordneten zum Schrein, deutlich mehr als in vergangenen Jahren.