China umwirbt Nachbarn in Asien und im Pazifik

China weitet seinen Einfluss in Asien und dem Pazifik aus. Zur Eröffnung eines Treffens der Wirtschaftsführer der Asiatisch-Pazifischen Kooperationsgemeinschaft (Apec) rief Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zu engerer Kooperation und größerer wirtschaftlicher Integration auf.

China umwirbt Nachbarn in Asien und im Pazifik
Diego Azubel China umwirbt Nachbarn in Asien und im Pazifik

«Wir müssen gemeinsam eine offene Wirtschaft in der Region aufbauen», sagte Xi am Sonntag. Zuvor hatte China einen «Seidenstraßen-Fonds» angekündigt, in dem Peking 40 Milliarden US-Dollar für eine bessere Anbindung zwischen den Märkten bereitstellen will.

Gastgeber China nutzte das 25. Jubiläum des Apec-Gipfels, um das Forum mit Veranstaltungen für Staats- und Regierungschefs aus anderen Nachbarregionen zu erweitern. Mit dem «Seidenstraßen-Fonds» sicherte sich Xi unter anderem die Unterstützung von Regierungsvertretern aus Bangladesch, Kambodscha, Laos, Mongolei, Myanmar, Pakistan und Tadschikistan. Kambodschas Ministerpräsident Hun Sen begrüßte den Vorstoß: «Das ist eine großartige Initiative, von der die Region stark profitieren kann», sagte er.

Es gehe darum, «einen asiatisch-pazifischen Traum für unsere Völker» zu verwirklichen, sagte Xi Jinping in einer Rede vor den Wirtschaftsführern, die vor dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 21 Pazifik-Anrainer am Montag und Dienstag zusammengekommen sind. Unter den 1500 Teilnehmern sind Spitzenmanager von 130 der 500 weltweit größten Unternehmen.

Mit neuen Infrastrukturprojekten sollten die Märkte enger miteinander verbunden werden, um einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen, kündigte Xi an. Diesem Ziel diene auch die Ende Oktober vereinbarte Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) mit Sitz in Peking, für die China 50 Milliarden US-Dollar Startkapital bereitstellen will.

Die Apec-Mitglieder, darunter die drei größten Volkswirtschaften USA, China und Japan, repräsentieren nach neuen Angaben 57 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und 48 Prozent des Welthandels. «Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um gemeinsam eine asiatisch-pazifische Partnerschaft zu schmieden», sagte Xi Jinping.

Der chinesische Präsident warb erneut für seine Idee einer Freihandelszone Asien-Pazifik (FTAAP). Die Apec-Minister hatten sich am Vortag trotz der Zurückhaltung der USA darauf geeinigt, die Pläne voranzutreiben und eine «Strategiestudie» dafür einzuleiten. Die USA und China ringen bei der neuen Handelsordnung in der Region um die Führung und verfolgen bislang rivalisierende Freihandelsabkommen.

Xi Jinping beklagte, dass es den Apec-Mitgliedern schwer gemacht werde, sich zwischen den konkurrierenden Freihandelsplänen zu entscheiden. Bisher verfolgen die USA mit elf anderen Staaten eine Transpazifische Partnerschaft (TPP), während China mit 15 Staaten über eine Regionale Wirtschaftspartnerschaft (RCEP) verhandelt. Chinas Vorschlag einer Apec-weiten Freihandelszone will auf den beiden Verhandlungssträngen aufbauen.

Chinas Wirtschaft sei zunehmend enger mit der Asien-Pazifik-Region und dem Rest der Welt verbunden, sagte Xi Jinping. Er wies aber Sorgen über eine Abkühlung des Wachstums in der zweitgrößten Volkswirtschaft zurück. Die Risiken seien «nicht so furchterregend». Chinas Wachstum war im dritten Quartal mit 7,3 Prozent auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen.

Der Apec-Gipfel in der chinesischen Hauptstadt findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Seit den Olympischen Spielen 2008 hat es in der 20-Millionen-Metropole nicht mehr eine internationale Veranstaltung von dieser Größe und Bedeutung gegeben.

Russlands Präsident Wladimir Putin will am Sonntag zu Gesprächen mit Xi Jinping zusammenkommen. Auch sollen nach russischen Angaben mehrere Abkommen unterzeichnet werden. Putin plant bilaterale Treffen mit seinen Kollegen aus Chile, Indonesien, Malaysia und der Chefin des Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, aber nicht mit US-Präsident Barack Obama, der am Montag ankommt.