Chinas Industrie enttäuscht

Die Stimmung in Chinas Industrieunternehmen hat sich weiter verschlechtert. Im Februar sanken nach Mitteilungen vom Dienstag sowohl der vom privaten Wirtschaftsmagazin «Caixin» erhobene Einkaufsmanagerindex als auch sein staatliches Pendant.

Chinas Industrie enttäuscht
epa Oliver Weiken Chinas Industrie enttäuscht

Vorab angekündigte Maßnahmen der chinesischen Notenbank konnten aber offenbar heftige Reaktionen an den Finanzmärkten verhindern.

Der «Caixin»-Index sei auf 48,0 (Januar 48,4) Punkte gefallen, teilte das Magazin in Peking mit. Volkswirte hatten hier zumindest mit einer Stagnation auf niedrigem Niveau gerechnet. Der vom staatlichen Handelsverband CFLP ermittelte Indikator fiel um 0,4 Zähler auf 49,0 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit November 2011. Auch hier hatten sich die Experten mehr erhofft.

Werte unter 50 Punkten deuten auf schwächere Geschäfte hin. Während der offizielle PMI auf einer Umfrage bei 3000 relativ großen Unternehmen basiert, werden für den «Caixin»-Index vorwiegend kleine und mittelgroße Firmen befragt.

China steckt im Wandel von einer verlängerten Werkbank der Welt hin zu einer stärker auf Dienstleistungen gestützten Wirtschaft. Daher rückt neben der Industrie auch immer mehr der Dienstleistungssektor in den Fokus der Experten. «Wir waren eher von einem leichten Anstieg ausgegangen und würden den Rückgang zwar nicht als dramatisch, schon aber als ernst zu nehmendes Warnsignal interpretieren», sagte Frederik Kunze, Analyst bei der Nord/LB.

Die Reaktionen an den Finanzmärkten fielen besonnen aus. Ein Kursrutsch an Chinas Börsen, wie er in jüngster Zeit nach schlechten Zahlen aus dem Reich der Mitte zu beobachten gewesen war, blieb aus. Stattdessen schlossen die chinesischen Börsen sogar im Plus. Der wichtige Aktienindex CSI 300 stieg um 1,8 Prozent. Die Ölpreise gaben nur kurzzeitig nach und setzten dann ihren Anstieg vom Vortag fort.

Dass die Reaktionen so glimpflich ausfielen, dürfte an jüngsten Maßnahmen der chinesischen Notenbank liegen. Die Währungshüter hatten am Vortag nach Börsenschluss angekündigt, den Mindestreservesatz um 0,5 Prozentpunkte auf 17,0 Prozent zu senken. Geschäftsbanken müssen einen gewissen Teil ihrer Kundengelder bei der Notenbank hinterlegen. Der Mindestreservesatz gibt vor, wie hoch dieser Anteil ist. Eine Reduzierung gibt den Banken mehr Spielraum bei der Kreditvergabe und kurbelt dadurch tendenziell die Konjunktur an.

Gespannt blicken Ökonomen nun auf die Jahrestagung des chinesischen Volkskongresses in Peking an diesem Wochenende. Experten rechnen, dass dann das Wachstumsziel der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde auf 6,5 Prozent gesenkt werden wird.