Chinas neue Freihandelszone gewinnt kaum internationale Firmen

Chinas neue Freihandelszone in Shanghai hat zwei Monate nach ihrer Eröffnung kaum internationale Unternehmen angezogen.

Chinas neue Freihandelszone gewinnt kaum internationale Firmen
Stephan Scheuer Chinas neue Freihandelszone gewinnt kaum internationale Firmen

Von mehr als 1400 bisher angemeldeten Firmen stammten nur 38 nicht aus der Volksrepublik, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung am Donnerstag einräumte. «Das ist für den Start eines Megaprojektes normal. Ein so kurzer Zeitraum lässt noch keine langfristigen Schlüsse zu», meinte er.

Experten machen hingegen überzogene Ankündigungen dafür mitverantwortlich. «Shanghai sollte so schnell wie möglich alle Details und Regelungen veröffentlichen. Sonst kommt es nur zu noch mehr Missverständnissen», sagte Sun Lijian, Professor an der Fudan-Universität in Shanghai, der Nachrichtenagentur dpa. Die Zone war Ende September mit dem Versprechen von weniger Bürokratie und einem vereinfachten Steuer- und Zollsystem ins Leben gerufen worden.

Gleichzeitig bremste die Stadtverwaltung am Donnerstag die weiteren Erwartungen an die Freihandelszone. «Der Finanzmarkt ist ein kompliziertes Gebilde. Jeder Schritt braucht ausgiebige Analysen», sagte der stellvertretende Bürgermeister Ai Baojun. Der Staatsrat hatte zum Start der Zone die schrittweise Freigabe von Chinas streng kontrollierter Währung Yuan als Ziel ausgegeben. Experten hatten dies als Meilenstein gefeiert.

Seit der Eröffnung der Zone seien jedoch noch zahlreiche Hürden zu nehmen, sagte Ai bei einer Pressekonferenz. Er warb um Verständnis: «Wir können nicht alles auf einmal lösen.» Die Entwicklung des Handels in der 29 Quadratkilometer großen Zone im Stadtteil Pudong im Osten Shanghais habe eine hohe Priorität. Und auch der Finanzsektor solle künftig von neuen Regelungen profitieren können.

Die Stadtregierung will langfristig auf die «Pilot Free Trade Zone» als entscheidenden Baustein für ihre weitere Entwicklung setzen. Bis zum Jahr 2020 will Shanghai zu einem internationalen Finanzzentrum aufsteigen. Aber noch hemmen die strengen Regelungen für Chinas Finanzsektor die Entwicklung der Metropole. Der Kapitalverkehr der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ist stark abgeschottet. Der Yuan ist zwar im Warenverkehr umtauschbar, aber bisher nicht in Kapitaltransaktionen.