Chinas Politkrimi um Bo Xilai geht in neue Runde

Der gestürzte Spitzenfunktionär Bo Xilai hat vor Gericht in China einen wichtigen Zeugen der Anklage scharf attackiert.

Chinas Politkrimi um Bo Xilai geht in neue Runde
Dennis M. Sabangan Chinas Politkrimi um Bo Xilai geht in neue Runde

Die Darstellungen seines ehemals engen Vertrauten Wang Lijun seien «voll von Lügen», sagte Bo am Sonntag laut Protokollen des Volksgerichts im ostchinesischen Jinan. «Seinen Aussagen darf überhaupt kein Vertrauen geschenkt werden», forderte der 64-Jährige.

Wang Lijun spielte eine Schlüsselrolle in dem Skandal um Bo Xilai und dessen Frau Gu Kailai. Als Polizeichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing hatte Wang seinem Chef Bo Anfang 2012 von einem Mordverdacht gegen dessen Frau erzählt. Als Bo ihn nicht ernst nahm, flüchtete er in ein US-Konsulat und packte aus. Soweit hätte es nicht kommen dürfen, gestand Bo Xilai als ehemaliger Parteichef von Chongqing vor Gericht ein. «Ich schäme mich.» Entgegen des Vorwurfs von Wang habe er aber nicht geholfen, den Mord zu vertuschen. Wang sei als Zeugen nicht zu trauen. Er trete nicht als Unbeteiligter auf, sondern wolle Bo bewusst schaden.

Der «Super-Bulle» Wang Lijun war vergangenes Jahr wegen Korruption, Fahnenflucht und Amtsmissbrauchs zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Gu Kailai bekam wegen Mordes im August 2012 eine Todesstrafe auf Bewährung. Im Gegensatz zu ihren kurzen Prozessen gestattete Chinas Führung bei dem Verfahren gegen Bo eine größere Öffentlichkeit. Seit dem ersten Tag veröffentlicht das Volksgericht regelmäßig Gesprächsprotokolle aus der Verhandlung. Trotzdem sind keine internationalen Journalisten im Gericht zugelassen.

Nachdem der umstrittene Spitzenfunktionär Bo Xilai zunächst bei der Verhandlung alle Korruptionsvorwürfe abgestritten hatte, räumte er am Samstag teilweise seine Verantwortung für unterschlagene Gelder ein. Seine Frau sei für verschwundene fünf Millionen Yuan (610 000 Euro) für ein Bauprojekt verantwortlich. Trotzdem liege auch bei ihm selbst eine Verantwortung. Er hätte sich besser um den Verbleib des Geldes kümmern müssen. «Ich war zu sorglos. Das waren schließlich Staatsgelder», räumte Bo ein.

Das Gericht hat die Verhandlung am Sonntag nach knapp drei Stunden unterbrochen. Für Montag wurde ein weiterer Prozesstag angesetzt. Bo Xilai droht eine lange Haftstrafe. Die Anklage wirft ihm Korruption, Unterschlagung und Machtmissbrauch vor. Auf Korruption und Unterschlagung steht in China im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Machtmissbrauch wird in der Regel mit langen Haftstrafen geahndet.