Chinesischer Yuan weiter auf Talfahrt - Dax sackt ab

Chinas Zentralbank hat den Yuan (Renminbi) mit einem erneuten Eingriff noch weiter auf Talfahrt geschickt. Die Notenbanker werteten die Landeswährung am Mittwoch erneut deutlich ab.

Die EU-Kommission in Brüssel nannte den überraschenden Politikwechsel eine «positive Entwicklung». Der Internationale Währungsfonds (IWF) sprach von einem «willkommenen Schritt», weil der Markt eine größere Bedeutung bei der Bestimmung des Wechselkurses erhalte.

Aus Sorge, die Abwertung könnte ein Zeichen für eine sich zuspitzende Krise der chinesischen Wirtschaft sei, reagierten die internationalen Aktienmärkte jedoch verschreckt: Bis zum Nachmittag sackte der deutsche Leitindex Dax um mehr als 2,3 Prozent ab.

Nach Ansicht von Experten geht es Peking bei dem Schritt nicht nur darum, eine marktorientierte Währung zu schaffen. «Der IWF und die EU denken, dass China eine frei handelbare Währung schaffen will. Aber das ist nur ein Aspekt», sagte Zheng Chaoyu, Professor an der Pekinger Renmin University, der Deutschen Presse-Agentur: «Die Zentralbank hat die Kontrolle niemals wirklich aus der Hand gegeben.» Zheng zufolge geht es bei der Abwertung in erster Linie darum, die Exporte und die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren.

Chinas Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 6,3306 Yuan je US-Dollar fest - ein Abschlag von weiteren 1,6 Prozent im Vergleich zum Vortag. Bereits am Dienstag hatte die Bank den Referenzkurs um 1,9 Prozent gesenkt und damit den Yuan im Verhältnis zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren geschickt.

In den vergangenen zwölf Monaten hatte der Yuan fast im Gleichschritt mit dem starken US-Dollar im Vergleich zu vielen internationalen Währungen kräftig an Wert gewonnen. Zum Euro war der Yuan innerhalb eines Jahres um knapp 20 Prozent gestiegen - ein riesiges Problem für die Exporteure des Landes. Chinesische Ausfuhren waren im Juli um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen.

Und auch am Mittwoch wurden erneut schwache Konjunkturzahlen verkündet. Im Juli fiel das Produktionswachstum im Jahresvergleich auf 6,0 Prozent von 6,8 Prozent im Vormonat, wie das nationale Statistikamt mitteilte.

Vor dem Eingriff am Devisenmarkt hatte die Führung in China in den vergangen Wochen bereits massiv an den Aktienmärkten interveniert, um einen Kursrutsch zu beenden, der Mitte Juli begonnen hatte. Die dicht aufeinanderfolgenden Maßnahmen seien Anzeichen «einer zunehmend nervösen Administration», sagte Experte Frank Hübner von der Bank Sal. Oppenheim. Ein möglicher Grund für die nervöse Stimmung in der Führung in Peking: Entwickeln sich Chinas Konjunkturdaten weiterhin enttäuschend, könnte auch das von der Regierung für dieses Jahr festgelegte Wachstumsziel von sieben Prozent in Gefahr geraten.

Im Dax ging es wegen der Abwertung weiter abwärts für die deutschen Autobauer. Daimler-Aktien verloren fast 4 Prozent und gehörten am Mittag zu den größten Verlierern im Dax. BMW-Papiere gaben um 3,5 Prozent nach, VW lag mit minus 2,5 Prozent im Mittelfeld des Index. Die Unternehmen zeigten sich hingegen weitgehend ungerührt und erwarten vorerst keine größeren Probleme für ihr Geschäft. Die Hersteller produzieren ihre Autos für den chinesischen Markt überwiegend am Ort und decken ihre Kosten in Yuan.

Auch weltweit gaben die Aktienmärkte nach. So baute etwa der Nikkei-225-Index in Tokio seine Vortagsverluste weiter aus und ging mit einem Minus von 1,58 Prozent auf 20 392,77 Punkten aus dem Handel. Die erneute Yuan-Abwertung drückte vor allem die Kurse von Unternehmen nach unten, die Geschäfte mit China machen.