Chodorkowski sagt der Politik Ade

Der aus dem Straflager entlassene Kremlgegner Michail Chodorkowski (50) will vorerst nicht nach Russland zurückkehren. Das sagte er in einem in Moskau veröffentlichten Interview der kremlkritischen Zeitschrift «The New Times»

«Wenn ich zurückkehre, könnten sie mich ein zweites Mal schon nicht mehr rauslassen, weil es formell viele Gründe gibt, für die man mich festhalten kann», sagte der 50-Jährige. Er glaube, dass sich Kremlchef Wladimir Putin mit der Begnadigung auch deshalb leichtgetan habe, weil er direkt nach Deutschland ausgereist sei.

Zugleich betonte der einst schärfste Gegner Putins, dass es für seine Freilassung keine Bedingungen gegeben habe. Allerdings habe er in einem persönlichen Brief an Putin etwas geschrieben, worüber er bisher nie öffentlich gesprochen habe: «Ich habe nicht vor, mich mit Politik zu befassen und werde auch nicht um Rückgabe der Aktiva kämpfen», zitierte die Zeitschrift Chodorkowski.

Der einst reichste Mann Russlands war Chef des inzwischen zerschlagenen größten russischen Ölkonzerns Yukos. Er war 2003 nach öffentlicher Kritik an Putin festgenommen und dann unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Öldiebstahls verurteilt worden.

Chodorkowski betonte erneut, dass er das Gnadengesuch an Putin ohne schriftliches Schuldeingeständnis unterzeichnet habe. Dies sei die Schlüsselfrage gewesen bei den Verhandlungen mit dem Kreml. Putin hatte immer wieder auf ein solches Schriftstück Wert gelegt.