Christos «Floating Piers» auf dem Iseo-See

«The Floating Piers» hat der Verhüllungskünstler Christo sein neuestes Großprojekt in Italien genannt. Ab Samstag (18.6.) können Besucher gut zwei Wochen lang auf schwimmenden, gelbglänzenden Stegen über das Wasser des Iseo-Sees in der Lombardei wandeln.

Christos «Floating Piers» auf dem Iseo-See
Matteo Bazzi Christos «Floating Piers» auf dem Iseo-See

Damit kehrt der 81-Jährige erstmals seit 40 Jahren mit einem spektakulären Kunstprojekt nach Italien zurück. 1974 hatten Christo und seine 2009 gestorbene Ehefrau Jeanne-Claude einen Teil der Aurelianischen Mauer in Rom in Stoff verpackt («Wrapped Roman Wall»).

Die stimmungsvollen Stege im See sind drei Kilometer lang und 16 Meter breit und verbinden den Ort Sulzano auf dem Festland mit der Insel Monte Isola und von dort mit dem kleineren Eiland San Paolo. Sie wurden aus 200 000 Schwimmwürfeln aus Kunststoff gebaut und anschließend mit dahliengelb-schimmerndem Polyamidgewebe überzogen. Die 70 000 Quadratmeter Stoff wurden in der Nähe von Münster von derselben Firma hergestellt wie das Gewebe, mit dem Christo und Jeanne-Claude 1995 den Berliner Reichstag verhüllt hatten.

Das Besondere an dem Projekt ist, dass die Stege nicht schaukeln wie ein Boot, sondern die Bewegung der Wellen nachahmen, sie in sich aufnehmen. Kulturminister Dario Franceschini, der die Floating Piers bereits vor wenigen Tagen besuchen durfte, schwärmte: «Man hat wirklich das Gefühl, über Wasser zu gehen, so flexibel ist die Struktur.»

Christo hatte die Besucher im Vorfeld aufgerufen, sich die Schuhe auszuziehen und möglichst barfuß über den Stoff zu spazieren, um die Wasserbewegungen bestmöglich zu spüren. Stöckelschuhe sind ebenso verboten wie Fahrräder und Skateboards. «Die Stege sollten nicht auf Fotos angeschaut werden, sondern man muss über sie laufen», zitierte die Nachrichtenagentur Ansa Christo, der sein Projekt der internationalen Presse vorstellte. «Der Stoff ist nicht das Kunstwerk, sondern er ist das Material, aus dem das Kunstwerk gefertigt ist», sagte er weiter. Der Stoff ändere je nach Lichteinfall die Farbe: «Er ist wie ein abstraktes Gemälde», so Christo. Aber auch das Wasser sei Teil des Kunstwerks.

Die meisten Hotels in der Region sind bereits seit Wochen ausgebucht. Allerdings machten sich die Organisatoren noch Sorgen um das Wetter, denn für den Iseo-See wurden für das Wochenende mögliche Gewitter vorhergesagt. Insgesamt würden bis zum 3. Juli eine halbe Million Besucher erwartet, darunter besonders viele Deutsche, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Die Vorarbeiten für das 15-Millionen-Euro teure Projekt liefen bereits seit Monaten. Finanziert werden die kurzlebigen Originalwerke Christos durch den Verkauf von Skizzen, Collagen, Filmen und Fotos. Anschließend soll ein Großteil der Materialien recycelt werden.