70 Festnahmen bei nach Polizisten-Freispruch in Cleveland

Nach dem Freispruch eines weißen US-Polizisten ist es in Cleveland zu Protesten und über 70 Festnahmen gekommen. Demonstranten hätten Passanten teilweise mit Pfefferspray angegriffen oder Straßen blockiert, sagte der Polizeichef von Cleveland, Calvin Wiliams.

Die Proteste seien zunächst friedlich gewesen, in der Nacht jedoch immer aggressiver geworden.

Das Gericht hatte den Polizisten freigesprochen, der 2012 nach einer Verfolgungsjagd über ein Dutzend Schüsse auf zwei unbewaffnete Afroamerikaner in ihrem Auto abgegeben hatte. Die Anklage wegen Totschlags (voluntary manslaughter) lasse sich nicht aufrechterhalten, hieß es in der Urteilsbegründung.

Richter John P. O’Donnell wies bei der Urteilsverkündung ausdrücklich auf jüngste Unruhen nach Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA hin. In seiner Urteilsbegründung erklärte er aber, es sei nicht zweifelsfrei erwiesen, dass die Schüsse des Angeklagten tatsächlich die Todesschüsse waren.

Nach der Verfolgungsjagd im November 2012 hatten zahlreiche Polizisten auf das Auto mit den beiden Schwarzen geschossen - sie gaben nach Angaben des Gerichts 137 Schüsse ab. Aber nur der Angeklagte sei dabei auf die Motorhaube des Wagens gesprungen und habe von dort durch die Windschutzscheibe geschossen. 

Nach dem Urteil brach der Polizist in Tränen aus. Im Falle einer Verurteilung wegen Totschlags in zwei Fällen hätte ihm eine Haftstrafe von über 20 Jahren gedroht. Der Bürgermeister von Cleveland, Frank Jackson, äußerte Verständnis für Unmut nach dem Urteil. Man werde aber keine Gewalt dulden.