Comeback-Sieg für Federer - Auch Raonic und Berdych weiter

Was für eine Spannung! Roger Federer stand im Viertelfinale von Wimbledon mehrfach kurz vor dem Aus, konnte sich am Ende aber doch feiern lassen. Die Chance auf seinen achten Triumph bei dem Rasenturnier hat er sich erhalten. Auch Tomas Berdych und Milos Raonic setzten sich durch.

Comeback-Sieg für Federer - Auch Raonic und Berdych weiter
Hannah Mckay Comeback-Sieg für Federer - Auch Raonic und Berdych weiter

Nach dem Happy End in einer dramatischen Partie mit drei abgewehrten Matchbällen wollte sich Federer schon eine kleine Feier gönnen. Er werde auf jeden Fall darauf anstoßen, das Aus beim bedeutendsten Grand-Slam-Turnier gerade noch abgewendet zu haben, kündigte der siebenmalige Champion an. «Ich darf jetzt nicht zu euphorisch werden», warnte der Schweizer aber auch. «Es war nur ein Viertelfinale, dessen bin ich mir bewusst.»

Einen verrückten Fünf-Satz-Krimi gegen Marin Cilic gewann Federer am Ende noch mit 6:7 (4:7), 4:6, 6:3, 7:6 (11:9), 6:3 und zog zum elften Mal in das Halbfinale des Tennis-Rasenturniers in London ein. So bewahrte er sich die Chance auf den Wimbledon-Rekordsieg und sicherte sich nebenbei eine Bestmarke vor Martina Navratilova.

Im Kampf um den Einzug ins Endspiel trifft der 34-Jährige am Freitag auf den kanadischen Weltranglisten-Siebten Milos Raonic, der den Djokovic-Bezwinger Sam Querrey 6:4, 7:5, 5:7, 6:4 besiegte. Im zweiten Halbfinale steht der Tscheche Tomas Berdych nach einem Dreisatzerfolg über den Franzosen Lucas Pouille dem britischen Hoffnungsträger Andy Murray oder Pouilles Landsmann Jo-Wilfried Tsonga gegenüber. Am Donnerstag sind die Damen-Matches mit der deutschen Halbfinalistin Angelique Kerber dran.

Nicht viel hatte gefehlt und auch Federer hätte sich nach dem sensationellen Drittrunden-Aus des serbisches Titelverteidigers Novak Djokovic verabschieden müssen. «Ich war in so großen Problemen», sagte Federer. «Es war ein unglaubliches Match. Das gibt mir mental einen großen Schub. Der Traum geht weiter.»

Die reine Ziffernfolge des Ergebnisses spiegelt bei weitem nicht wieder, welche Spannung sich in den 3:17 Stunden auf dem berühmtesten Tennisplatz abspielte. 0:2 in Sätzen lag Federer gegen Cilic zurück, kämpfte sich wieder heran. Dank eines leichten Returnfehlers des US-Open-Siegers von 2014, einem Ass und eines Service-Winners hielt er sich bei den Matchbällen von Cilic im Spiel. Bei 4:5, bei 5:6 sowie im Tiebreak des vierten Satzes. Der 17-fache Grand-Slam-Sieger selbst verwandelte dann seinen ersten Matchball, riss die Arme in die Höhe und genoss ausgiebig den Applaus. Zum zehnten Mal in seiner Karriere drehte er ein Match nach einem 0:2-Satzrückstand.

Federer war nicht als Topfavorit nach Wimbledon gekommen. Doch die frühe Niederlage des serbischen Topstars Djokovic eröffneten ihm neue Perspektiven. Ziel seiner Träume ist das dritte Endspiel in Wimbledon nacheinander und vor allem ein achter Triumph. So oft hat noch nie jemand das älteste Tennisturnier der Welt gewonnen.

Bei all der Dramatik im ersten Spiel am Mittwoch auf dem Centre Court geriet zur Nebensache, dass er einen weiteren Rekord aufstellte. Der Baseler feierte seinen 307. Sieg bei einem der vier wichtigsten Turniere, so viele hat kein anderer geschafft. Nach dem Achtelfinale hatte er sich die Bestmarke mit Martina Navratilova geteilt.

Federer und Wimbledon - das ist eine andauernde Liebesbeziehung. In diesem Jahr waren die Erwartungen nach seinen Verletzungsproblemen gering. Der zweifache Zwillingsvater hatte sich nach den Australian Open den Meniskus gerissen. Anschließend bremsten ihn eine Erkrankung und Rückenprobleme. Die French Open in Paris verpasste der Weltranglisten-Dritte.

So kam er mit wenig Match-Praxis und ohne einen Turniersieg in dieser Saison in Wimbledon an. Überraschend leicht und ohne Satzverlust bahnte er sich dann seinen Weg bis ins Viertelfinale, war aber in den ersten Runden kaum gefordert - bis zum Auftritt gegen Cilic.