Computermesse Cebit kehrt Verbrauchern den Rücken

Die weltgrößte Computermesse Cebit verabschiedet sich vom Publikumsgedanken und will künftig noch gezielter den Profis der Branche Klasse statt Masse bieten.

Computermesse Cebit kehrt Verbrauchern den Rücken
Julian Stratenschulte

Auf der Weltleitmesse in Hannover werde schon vom nächsten Jahr an das sogenannte B2B-Geschäft (Business to Business) zwischen den Unternehmen zu 100 Prozent im Fokus stehen, sagte Messevorstand Oliver Frese am Dienstag in Hannover. Die Branchenschau trage damit Kundenwünschen Rechnung.

Es gehe verstärkt darum, Kontakte zu knüpfen und Abschlüsse anzubahnen. Gleichzeitig in einem Spagat auch Werbeplattform für die Verbraucher zu sein, stehe angesichts eines stetig wachsenden Fachbesucheranteils nicht mehr im Vordergrund.

Frese sagte, es erscheine dem Management am wichtigsten, die Cebit als Begegnungs- und Konferenzbasis weiterzuentwickeln. Als ein sichtbares Zeichen für den Wandel, sich nur noch auf die Profis zu konzentrieren, nannte Frese den neuen Zeitrahmen, der künftig von Montag bis Freitag läuft - statt Dienstag bis Samstag. Zudem kostet das Tagesticket mit 60 Euro demnächst rund 50 Prozent mehr, was Frese einerseits ebenfalls mit dem Fokus auf die Fachbesucher begründete, andererseits aber auch mit Zusatzleistungen wie kostenlosem WLAN.

Ein Grund, die Messe zu 100 Prozent auf das Geschäft zwischen den Firmen auszurichten, sei auch die Veränderung in der IT-Welt, die sich in sämtliche Unternehmensbereiche ausdehnt. «IT-Entscheidungen werden ja immer öfter in den jeweiligen Fachabteilungen getroffen und nicht mehr in den IT-Abteilungen», erklärte Frese.

Der Chef des Branchenverbandes Bitkom, Dieter Kempf, begrüßte die Veränderungen. «Ich bin sicher, die Cebit wird wieder mehr Glanz bekommen», sagte er. Mit dem neuen Konzept dürfte es auch leichter fallen, mehr hochkarätige Branchengrößen nach Hannover zu locken.

Trotz eines Besucherrückgangs um zwölf Prozent auf 280 000 hatte die weltgrößte Computermesse dieses Jahr eine positive Bilanz gezogen und nach Überzeugung der Veranstalter ihre Qualität verbessert. Zur Begründung hieß es bereits im März, die Dichte an Managern mit
Entscheidungsbefugnis habe zugenommen - und allein das zähle.