«Dann ist das Scheiße»: Gala im Zeichen der WM-Affäre

Beim Sportpresseball in Frankfurt wurden gerade die prominenten Gäste an den Roten Teppich der Alten Oper gefahren, als auf einmal ein Mann aus einem Auto stieg. Er trug eine Maske mit dem Gesicht des DFB-Boss Wolfgang Niersbach und warf mit gefälschten Geldscheinen um sich.

«Dann ist das Scheiße»: Gala im Zeichen der WM-Affäre
Andreas Arnold «Dann ist das Scheiße»: Gala im Zeichen der WM-Affäre

«Wir sind der DFB! Wir können uns alles leisten!», stand auf der Rückseite der 500-Euro-Kopien gedruckt. Die Protestaktion richtete sich gegen die Rolle des DFB in der Affäre um die WM 2006 und vor allem auch gegen die Nutzung des Frankfurter Rennbahn-Geländes für den Bau der neuen DFB-Akademie. Der Sicherheitsdienst führte den Mann sofort ab und verhinderte damit, dass er namhaften Gästen wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), dem früheren Bayern-Trainer Jupp Heynckes, Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner oder Regisseur Dieter Wedel auf dem Roten Teppich die Show stehlen konnte.

Trotzdem machte auch diese Aktion noch einmal deutlich, dass es bei dieser großen, glamourösen Gala am Samstagabend nicht anders zuging als in den meisten Vereinskneipen des Landes in dieser Zeit. Es gab vor allem ein Thema unter den Gästen und in den Interviews: den Skandal um das deutsche Sommermärchen vor neun Jahren.

«Der Fußball ist der Sport schlechthin weltweit. Und dann ist es natürlich ein Problem, wenn Verbände wie die FIFA und jetzt auch der DFB nicht das größte Ansehen haben», sagte der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU).

Die Prominenz blieb dabei weitgehend ihrem jeweiligen Lager treu. Aus der Politik kam routiniert die Forderung nach «Klarheit» (Bouffier) in dieser Affäre. Auch wenn die Distanz zu den zentralen Figuren offenbar wächst. «Franz Beckenbauer könnte bestimmt noch viel von dem aufklären, was noch nicht aufgeklärt ist», meinte Wolfgang Bosbach, der Innenexperte der CDU. Da sehe er noch «Optimierungsbedarf».

Aus der Welt des Fußballs dagegen hat der schwer angeschlagene DFB-Präsident Niersbach nach wie vor nicht viel zu befürchten. «Der Wolfgang ist ein grundehrlicher Mensch, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen und der mit Sicherheit keine linken Dinger gedreht hat», sagte der 74er-Weltmeister Bernd Hölzenbein. «Warum sollte er zurücktreten? Da ist doch noch nichts geklärt.»

Man muss wohl schon so viel Abstand zu dieser Welt haben wie der frühere Frankfurter und Leverkusener Trainer Dragoslav Stepanovic, um einfach in eine TV-Kamera zu sagen: «Alle Leute gucken jetzt nach Deutschland. Und wenn da immer noch nichts aufgeklärt ist, dann ist das Scheiße.» Niersbach müsse vor allem wissen, «was er damals getan hat, nicht was er heute dazu sagt. Heute ist es zu spät.»

Es passte gut in die Zeit, dass nach Maria Höfl-Riesch (2014) oder Michael Schumacher (2012) mal wieder eine Größe des Fußballs zur «Legende des Sports» gekürt wurde. Die Auszeichnung des Vereins Frankfurter Sportpresse und des Verbandes Deutscher Sportjournalisten nahm diesmal Lothar Matthäus entgegen. Nach Jahren der Dauerpräsenz auf dem Boulevard bewegte es den deutschen Rekordnationalspieler sichtlich, mal wieder als das wahrgenommen zu werden, was er eigentlich ist und auch für immer bleiben wird: «Einer der größten Namen in der Geschichte des deutschen Fußballs», wie sein früherer Trainer und Förderer Heynckes in einer Laudatio betonte.

Heynckes erzählte, wie der Weltmeister Berti Vogts nach dem ersten Profitraining des damals 18-jährigen Matthäus zu ihm kam und sagte: «Jupp, verlass' dich drauf: Das wird mal einer.» Und Heynckes bedauerte, dass Matthäus seine Karriere als Trainer schon beendet habe. «Ich hätte ihn sehr gerne in der Bundesliga gesehen. Lothar weiß sehr viel über den Fußball.» Matthäus selbst sprach von einem «besonderen Abend für mich». Zu der WM-Affäre sagte er als enger Freund von Beckenbauer und Niersbach lieber nichts.