Dardai: Doppelrolle bringt Ungarns Trainer in Bedrängnis

Pal Dardai steckt in der Klemme: Als Trainer der ungarischen Fußball-Nationalmannschaft möchte er das Team zur EM 2016 nach Frankreich führen. Es könnte jedoch passieren, dass der 39-Jährige im Sommer gar nicht mehr für den ungarischen Verband tätig ist.

Dardai: Doppelrolle bringt Ungarns Trainer in Bedrängnis
Jörg Carstensen Dardai: Doppelrolle bringt Ungarns Trainer in Bedrängnis

Der Ex-Profi ist nämlich in seinem Hauptjob Coach von Hertha BSC. Und der Bundesligist soll eine vertragliche Option besitzen, die ihm erlaubt, Dardai im Sommer aus seinem bis November laufenden Kontrakt auszulösen. Macht Hertha davon Gebrauch, müsste Dardai zum 1. Juli seinen Zweitposten in Ungarn aufgeben.

Der ungarische Verband bestreitet jedoch diese Vertragsklausel. «Pal Dardai bleibt bis zum Ende der EM-Qualifikation Nationaltrainer», zitierte die ungarische Zeitung «Népszapadság» den Verbands-Generalsekretär Vagi Marton. Hertha-Manager Michael Preetz ließ jüngst jedoch verlauten, der Verein könne Dardais Doppelrolle beenden: «Wir haben es vertraglich in der Hand.» Hält Hertha die Klasse, möchte der Hauptstadtclub Dardai als Cheftrainer weiterbeschäftigen.

Das öffentliche Tauziehen um Dardai findet zu einen unpassenden Moment statt. Dardai befindet sich derzeit in Budapest und bereitet die Ungarn auf das EM-Qualifikationsspiel am Sonntag (20.45 Uhr) gegen Griechenland vor. Herthas Rekordspieler reagierte jedoch mit Humor auf die Debatte. «Ich weiß nicht, was in dem Vertrag steht, wirklich nicht. Ich war nicht dabei, als er erstellt wurde», sagte er ungarischen Journalisten: «Ich habe die Frage in der Zeitung gelesen: Wem gehöre ich? Ich kann nur sagen: Ich gehöre ausschließlich zu meiner Frau.»

Neben seiner Frau liegen ihm allerdings auch die Aufgaben in Berlin und Ungarn am Herzen - das hat Dardai bereits bei seinem Dienstanritt als Herthas Profi-Trainer Anfang Februar durchblicken lassen. «Ich habe blaues Blut und ein ungarisches Herz», sagte er da und fügte hinzu: «Ungarn ist wichtig, und Hertha ist sehr, sehr wichtig.»

Dardai ist sich freilich bewusst, dass die Doppelfunktion keine Dauerlösung sein kann. Schon Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und Hertha-Legende Erich Beer wiesen auf die Verschleißgefahr im Abstiegskampf mit der «Alten Dame» hin. Dardai erweckt in der Öffentlichkeit indes den Anschein, dass ihn das nicht belaste. Er habe in Ungarn einen großen Stab von Mitarbeitern. Seit drei Wochen arbeitet zudem der frühere Bundesliga-Profi und einstige Hertha-Co-Trainer Bernd Storck als Sportdirektor für den ungarischen Verband.

Für die Partie gegen die Griechen berief Dardai die beiden Bundesliga-Profis Adam Szalai (1899 Hoffenheim) und Zoltan Stieber (Hamburger SV) ins Aufgebot. Die Ungarn besitzen nach zwei Siegen und einem Remis unter Dardais Regie als Dritter der Gruppe F gute Chancen auf die EM-Endrunde. Ein Sieg gegen Griechenland würde diese noch erhöhen. «Das würde Ungarn und unserer Arbeit einen Schub geben», sagte Storck der «Berliner Zeitung». Dardai spielt dabei eine wichtige Rolle. «Pal ist hier ein Held. Den lieben alle.» Genau das ist derzeit Dardais' Problem.