«Es tut mir unendlich leid» - Der Prozess in Zitaten

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der 22 Jahre alten Studentin Tugce in Offenbach soll das Urteil fallen. Ein aufwühlender Prozess für die Familie der Toten, für den Angeklagten und für Beobachter. Ein Überblick in Zitaten:

«Es tut mir unendlich leid» - Der Prozess in Zitaten
Boris Roessler «Es tut mir unendlich leid» - Der Prozess in Zitaten

Zum Prozessauftakt am 24. April 2015:

«Ich habe in der Tatnacht der Tugce eine Ohrfeige gegeben und sie ist dann umgefallen.» (Sanel M.)

«Es tut mir unendlich leid, was ich getan habe. Ich habe niemals mit ihrem Tod gerechnet.» (Sanel M.)

«Es waren floskelhafte Sätze.» (Macit Karaahmetoglu, Anwalt von Tugces Familie, zur Aussage des Angeklagten)

«Die Aussage war von Emotionen und erkennbarer Reue geprägt.» (Oberstaatsanwalt Alexander Homm zur selben Aussage)

«Wir sind jetzt in der Realisierungsphase. Die ist noch schlimmer.» (Tugces 25-jähriger Bruder über die Trauer in seiner Familie)

Am fünften Prozesstag, 22. Mai:

«Es ging gleich verbal zur Sache. Das waren harte Ausdrücke, von beiden Seiten.» (Ein 22 Jahre alter Zeuge über den Streit zwischen Tugces Gruppe und Sanels Gruppe)

Am achten Verhandlungstag, 3. Juni:

«Grundsätzlich ist eine Ohrfeige dazu in der Lage, wenn sie fest geschlagen ist.» (Sachverständiger Marcel Verhoff, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Uni-Klinik Frankfurt am Main, zu dem Umstand, dass der Schlag bei Tugce einen kurzen Blackout ausgelöst haben könnte, so dass sie ohne Abwehrreaktion hinfiel)

«Ich denke, dass er die Opfer-Perspektive nicht besonders gut einnehmen kann.» (Ein Mitarbeiter des Jugendamts Offenbach über Sanel M.)

Am neunten Prozesstag, 12. Juni:

«Die Rollen in dem Szenario waren schnell verteilt. Gut gegen Böse, Schwarz und Weiß. Aber es ist in der Regel nicht immer so einfach... Es sind die Grautöne, die das Bild ergeben.» (Oberstaatsanwalt Homm in seinem Plädoyer)

«Das Eingeständnis der Reue war nicht von Mitgefühl, sondern von Prozesstaktik getragen.» (Nebenklage-Anwalt Karaahmetoglu in seinem Plädoyer)

«Wir haben in diesem Fall eine beispiellose Vorverurteilung erlebt. Es gab keine Spur von Schutz des jugendlichen Täters... Das Gericht wird bei der Strafe berücksichtigen müssen, dass der Angeklagte in Zukunft ein Leben in Angst führen muss.» (Verteidiger Heinz-Jürgen Borowsky in seinem Plädoyer) 

«Egal, was hier dabei rauskommt, ich muss damit leben, dass wegen mir ein Mensch tot ist. Der Schlag war der schlimmste Fehler meines Lebens. Ich kann nur sagen, dass es mir leid tut.» (Sanel M. in seinem Schlusswort)