Tugce-Freundinnen berichten von «üblen Beleidigungen»

Mit der Vernehmung mehrerer Freundinnen von Tugce ist vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin fortgesetzt worden.

Der Angeklagte und seine Kumpels hätten in der Tatnacht im November vergangenen Jahres bereits vor den Toiletten eines Schnellrestaurants in Offenbach Tugce und ihre Freundinnen angepöbelt, sagte eine 21-Jährige am Montag. «Es wurden üble Beleidigungen ausgesprochen. Ich habe so etwas noch nie gehört.»

Eine 23 Jahre alte Freundin erklärte, die Gruppe von Tugce sei «mit Beleidigungen regelrecht bombardiert worden.» Auch Tugce und ihre Clique hätten den Angeklagten und seine Gruppe beleidigt, aber erst nach einiger Zeit und nachdem sich die Pöbeleien gegen die eigenen Eltern gerichtet hätten.

Die 21 Jahre alte erste Zeugin hatte nach Aussage mehrerer Zeuginnen mit Tugce auf der Toilette nach zwei betrunkenen Mädchen gesehen, die von Sanel M. und zwei Freunden belästigt worden sein sollen. Als er von der Toilette kam, habe der 18-Jährige «sehr gereizt» ausgesehen, schilderte eine andere, ebenfalls 21 Jahre alte Freundin.

Sanel M. ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Er hatte zum Prozessauftakt den Schlag gegen Tugce eingeräumt und Reue gezeigt. Wenn er nach Jugendstrafrecht verurteilt wird, drohen ihm sechs Monate bis zehn Jahre Gefängnis. Sollte er nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, muss er mindestens drei Jahre in Haft. Das Urteil wird Mitte Juni erwartet.

Tugce und ihre Freundinnen hätten zwar zurück geschimpft, allerdings deutlich weniger aggressiv, sagte die erste Zeugin weiter. «Halt die Fresse!» habe Tugce auf Sanels üble Pöbeleien geantwortet. Den Schlag des Angeklagten hat die Zeugin nach eigener Aussage zwar nicht gesehen, aber gehört. «Das war ein Geräusch so laut, als ob jemand einen Fernseher aus dem Fenster wirft.»

Die Zeuginnen erklärten übereinstimmend, sich nicht im Detail miteinander über die verhängnisvolle Nacht unterhalten zu haben. Bei gemeinsamen Gesprächen sei es eher um das Schicksal von Tugce gegangen. Der Vorsitzende Richter Jens Aßling wies sie allerdings darauf hin, dass es in den Unterlagen über die polizeilichen Vernehmungen deutliche Übereinstimmungen gebe. «Das spricht doch dafür, dass man sich unterhält, bevor man zur Polizei geht.» Er zeigte Unverständnis darüber, warum die Freundinnen dies nicht einfach einräumten.

Ein Rettungsassistent, der mit einem Notarzt herbeigeeilt war, sagte, Tugce sei «nicht ansprechbar» gewesen. Die 22-Jährige sei mit Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma in ein Krankenhaus gebracht worden. Sie starb an ihren schweren Verletzungen.