Zeuge im Tugce-Prozess verwundert über Eskalation

Im Fall der getöteten Studentin Tugce hat ein Zeuge der Darstellung widersprochen, der angeklagte Sanel M. sei durch besondere Aggressivität aufgefallen.

Der 18-Jährige habe aufgrund eines Streits im Offenbacher Schnellrestaurant auch nicht in den Schwitzkasten genommen und weggebracht werden müssen, sagte der 29-Jährige vor dem Landgericht Darmstadt. Der Angeklagte und seine Freunde hätten sich ohne Probleme wieder beruhigen lassen. «Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Jungs auf die Mädels losgehen wollten.»

Der angeklagte Sanel M. steht wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. Er soll der 22-jährigen Tugce im November 2014 auf dem Parkplatz des Fast-Food-Restaurants so heftig ins Gesicht geschlagen haben, dass sie stürzte, mit dem Kopf hart aufschlug und später starb.

Der Zeuge, der als Türsteher in einer Diskothek arbeitet und sich in jener Nacht in dem Restaurant aufgehalten hatte, zeigte sich zudem überrascht von der Eskalation des Konflikts zwischen Tugce und der Gruppe des Angeklagten. Die Jungen-Gruppe habe sich im Fast-Food-Restaurant beruhigen lassen. «Einer von denen ist auch noch zu mir an den Tisch gekommen und hat sich entschuldigt.» Als beide Seiten dann nach draußen auf den Parkplatz gingen, habe er nicht damit gerechnet, dass der Konflikt so eskalieren würde: «Keiner von uns ging davon aus, dass es draußen zu dieser Tragödie kommt.»

Mit seiner Aussage widerspricht der Mann Darstellungen von Freundinnen des Opfers. Sie hatten ausgesagt, Sanel M. habe an der Toilette zwei junge Mädchen belästigt, Tugce habe diese verteidigt. Der Angeklagte habe dann im Schwitzkasten nach oben gebracht werden müssen, um die Situation zu entschärfen.

Auch ein zweiter Zeuge, ein 30 Jahre alter Freund des Türstehers bestätigte dessen Einschätzung. Ein Urteil wird für Mitte Juni erwartet.