Dax überspringt 11 500-Punkte-Marke

Die ungebremste Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den deutschen Aktienmarkt in Hochstimmung versetzt.

Der Dax kletterte erstmals in seiner Geschichte über 11 500 Punkte und schloss auch über dieser Marke. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg wieder bis knapp unter sein zum Wochenstart erreichtes historisches Hoch von 20 278 Punkten.

Mit einem Plus von 1,00 Prozent auf 11 504,01 Punkte ging der deutsche Leitindex aus dem Handel. Am späten Nachmittag erreichte er bei 11 532 Punkten einen Höchststand. Der MDax rückte um 1,42 Prozent auf 20 243,60 Punkte vor. Der TecDax gewann 1,34 Prozent auf 1590,42 Punkte.

Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi ließen die Kurse nach der Sitzung der Zentralbank steigen. «Die EZB beginnt ihre historische Mission», kommentierte Experte Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein. «Die Währungshüter öffnen am kommenden Montag ihre Schleusen und werden mit der geldpolitischen Flutung beginnen.»

Die Aussicht auf den billionenschweren Geldsegen der Notenbanker treibt seit Wochen die Börsen auf immer neue Höhen, während der Euro auf Talfahrt geht. An diesem Abend erreichte er ein neues Elfjahres-Tief bei 1,098 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs vor der Draghi-Pressekonferenz auf 1,1069 (1,1124) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9034 (0,8990) Euro.

Neben der EZB-Sitzung standen Quartalsberichte im Blick der Anleger und Händler: Mit plus 3,43 Prozent eroberten die Adidas-Aktien nach endgültigen Jahreszahlen und Aussagen zu Ausblick und Dividende die Dax-Spitze. Die Papiere des Sportartikel-Herstellers erreichten nun wieder ihr Niveau vom Sommer 2014. Zu dem Zeitpunkt hatte Europas Branchenprimus die Börse mit einer Gewinnwarnung geschockt. Der Aktienkurs war zweistellig eingebrochen und hatte sich bis Ende des Jahres mit einer Erholung schwer getan.

Der Reifenhersteller Continental konnte die Investoren mit seinem Zahlenwerk ebenfalls überzeugen: Die Papiere des Autozulieferers verteuerten sich um 1,62 Prozent. Zeitweise fehlten keine 4 Euro mehr für einen neuen Höchststand. «Die Conti-Aktie ist ein Liebling der Börsianer. Da reichen leicht positive Nachrichten für einen neuen Anlauf zum Rekordhoch», sagte Experte Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Conti will weiter vom Wachstum der Autobranche profitieren und peilt für 2020 satte 50 Milliarden Euro Umsatz an. Verglichen mit den Plänen für 2015 wäre dies ein Anstieg von einem Drittel.

Am MDax-Ende rutschten dagegen die Evonik-Papiere nach einer umfangreichen Aktienplatzierung um 2,85 Prozent auf 30,00 Euro ab. Schlusslicht im MDax waren allerdings die Anteilsscheine der Deutschen Annington. Nach Bekanntgabe von Geschäftszahlen rutschten sie um 3,17 Prozent ab. Zwar erzielte das Immobilienunternehmen einen Rekordgewinn, Händler beurteilten diesen jedoch als erwartungsgemäß.

Europaweit war die Stimmung sehr gut. Der EuroStoxx 50 gewann 0,97 Prozent auf 3618,21 Punkte, und auch in London und Paris legten die Börsen zu. Gewinne gab es zum europäischen Handelsschluss auch an der Wall Street in den USA und den Nasdaq-Börsen.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 0,31 (Vortag: 0,29) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,12 Prozent auf 139,87 Punkte. Der Bund Future gewann 0,26 Prozent auf 159,17 Punkte.