Dax dreht nach Rekord deutlich ins Minus

Nach dem Rekord ging es wieder abwärts: Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte dem Dax zunächst ein neues Hoch beschert.

Der Index der 30 wichtigsten deutschen Aktienwerte sprang zu Beginn der Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi bis auf 10 083 Punkte. Die Euphorie verflog aber schnell, denn die Anleger zeigten sich dann doch enttäuscht von den Aussagen der Währungshüter.

Am Nachmittag rutschte der Dax wieder mit 0,82 Prozent ins Minus auf 9890,22 Punkte. Der MDax verlor 0,72 Prozent auf 16 991,49 Punkte, der TecDax bröckelte um 0,51 Prozent auf 1356,54 Punkte ab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 1,14 Prozent.

«Die EZB bleibt in einer abwartenden Haltung und den Marktreaktionen zufolge zeigen sich manche Marktteilnehmer enttäuscht», kommentierte Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba. Draghi habe die Spekulationen um einen bevorstehenden Kauf von Anleihen («Quantitative Easing», QE) aber am Leben erhalten. Er habe auf die schwachen Inflationsperspektiven und die wirtschaftlichen Risiken verwiesen.

Finanzwerte sind nach den Aussagen der EZB ans Dax-Ende gerutscht. Die Erwartungen auf einen schnellen Kauf von Staatsanleihen seien enttäuscht worden und das drücke insbesondere auf den Finanzsektor, sagte ein Händler. Commerzbank-Aktien waren mit einem Abschlag von 2,92 Prozent auf 11,80 Euro der größte Dax-Verlierer, Deutsche Bank verbilligten sich um 1,86 Prozent. Im MDax verloren Aareal-Bank-Titel 2,09 Prozent.

An der Dax-Spitze blieben Infineon mit plus 2,22 Prozent auf 8,331 Euro. Die Anteile des Halbleiterherstellers knüpfen an ihre Vortagesgewinne im Kielwasser eines guten Ausblicks vom US-Wettbewerber Microchip Technology an. Auch Autowerte zählen zu den Favoriten.

Die Papiere der Lufthansa ließen sich von einem erneuten Streik nicht aus der Bahn werfen. Die Piloten der Fluggesellschaft haben ihre Arbeit zum zehnten Mal in diesem Jahr niedergelegt. Positive Nachrichten kamen aber vom Wettbewerber Ryanair. Europas größter Billigflieger erhöhte sein Gewinnziel zum dritten Mal im laufenden Geschäftsjahr. Zudem befindet sich der Reisemarkt in Deutschland ungeachtet der weltweiten Krisen auf Wachstumskurs, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) mitteilte. Die Lufthansa-Aktie gewann 0,52 Prozent.

An die MDax-Spitze kletterte die Rheinmetall-Aktie nach einer positiven Analystenstudie mit plus 2,39 Prozent. Auch in dem Index mittelgroßer Werte zählte mit der Tui-Aktie ein Reisewert zu den Favoriten. Europas größter Reiseveranstalter Tui Travel hat kurz vor der Komplettübernahme durch den deutschen Konzern noch einmal besser verdient und damit für Freude bei den Aktionären gesorgt. Robert Halver von der Baader Bank verwies auch auf den Ölpreis: «Die Reisebranche ist Profiteur der fallenden Treibstoffpreise. Kosten sinken, Gewinne steigen und mit ihnen auch die Aktien.» Die Tui-Aktie gewann 1,57 Prozent.

In den deutschen Aktienindizes gibt es zudem eine Veränderung: Wegen des außerplanmäßigen Ausscheidens von Sky Deutschland aus dem MDax steigt der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich in den Index mittelgroßer Werte auf. Den frei werdenden Platz im SDax nimmt der Eisenbahnwaggon-Vermieter VTG ein. Der Börsenneuling Zalando wird kurz vor Weihnachten in den SDax aufgenommen.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere bei 0,64 Prozent. Der Rentenindex Rex gewann 0,01 Prozent auf 138,21 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,09 Prozent auf 152,25 Punkte. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2311 (1,2331) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8123 (0,8110) Euro.