Dax drohen vor US-Zinswende weitere Verluste

Die Enttäuschung über die jüngsten EZB-Maßnahmen und die nahende Zinswende in den USA könnten den Dax auch in der neuen Woche belasten.

Nun warten die Investoren gespannt auf die Sitzung der US-Notenbank (Fed). Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat eindrucksvoll bewiesen, welche Sprengkraft die Geldpolitik der großen Notenbanken für die Börsenkurse weltweit entfalten kann: Die Anleger, denen die weiteren Lockerungsmaßnahmen der Währungshüter nicht ausreichten, schickten die Aktienkurse kurzerhand in den Keller.

Am Freitag schloss der deutsche Leitindex lediglich 0,34 Prozent tiefer bei 10 752,10 Punkten. Auf Wochensicht büßte das Börsenbarometer allerdings - vor allem wegen des Kursrutsches am Donnerstag - 4,80 Prozent ein.

Auf längere Sicht halten Marktbeobachter zu große Sorgen aber für unbegründet. «Angesichts der überhitzten kurzfristigen Stimmung ist es durchaus gesund, dass Dividendentitel erst einmal einen Gang zurückschalten», meint etwa Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Denn «immerhin hatte der Optimismus unter den Aktienanlegern im Vorfeld der EZB-Sitzung Spitzenwerte erreicht».

Analyst Alexander Lukas von der Weberbank sieht für Besitzer hiesiger Dividendenpapiere ebenfalls «keinen Anlass zur Beunruhigung». Denn «die europäischen Aktienmärkte sind - anders als die amerikanischen - noch nicht zu teuer bewertet und die Unternehmen in Europa solide aufgestellt». Dank einer verbesserten Konjunktur sollten sich die Gewinne stabil entwickeln.

Bei den Konjunkturdaten sollten vor allem Nachrichten aus den USA darauf abgeklopft werden, ob sie der Fed weitere Argumente für eine vorsichtige Straffung ihrer Geldpolitik liefern. Der Fokus dürfte sich dabei auf die für Freitag erwarteten Einzelhandelsumsätze richten. «Aufgrund der Meldungen über einen durchaus gelungenen Start ins Weihnachtsgeschäft gehen wir davon aus, dass der Einzelhandel im November wieder stärker Tritt gefasst hat», so die Prognose der Experten von der Postbank.

Seitens der Unternehmen stehen nur wenige Termine an. Neben Geschäftszahlen des Lichtspezialisten Osram (Montag), des Autozulieferers Bertrandt (Donnerstag) und des Kupferproduzenten Aurubis (Freitag) könnten Kapitalmarktveranstaltungen auf Interesse stoßen, darunter von den Dax-Konzernen Thyssenkrupp und Merck KGaA.