Dax fehlt vor EZB-Entscheidungen klare Richtung

Vor den geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) am Nachmittag hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag zunächst keine klare Richtung eingeschlagen.

Dax fehlt vor EZB-Entscheidungen klare Richtung
Fredrik Von Erichsen Dax fehlt vor EZB-Entscheidungen klare Richtung

Der Dax pendelte um seinen Vortagsschluss und lag eine Stunde nach dem Börsenstart 0,06 Prozent tiefer bei 9717,26 Punkten. Zur Wochenmitte hatte der deutsche Leitindex nach einem zwischenzeitlich deutlichen Anstieg nur ein knappes Plus ins Ziel gerettet.

Auch die anderen Indizes taten sich schwer: Der MDax der mittelgroßen Werte sank um 0,05 Prozent auf 19 464,97 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,19 Prozent auf 1595,79 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann indes 0,16 Prozent auf 3021,13 Punkte.

Klar im Fokus steht Europas Geldpolitik: EZB-Präsident Mario Draghi wird wohl mit den Maßnahmen und ihrer Erläuterung kurzfristig den Trend am Aktienmarkt vorgeben. Als ausgemacht gilt unter Fachleuten eine neuerliche Senkung des bereits negativen Einlagensatzes, umstritten ist aber das Ausmaß einer möglichen Absenkung. Denkbar ist auch, dass die Belastung der Banken durch den im Juni 2014 eingeführten Negativzins verringert wird. Nicht einig sind sich Beobachter auch in der Frage, ob die Notenbank ihre Wertpapierkäufe ausweiten wird.

Bei K+S sorgte die Bilanzvorlage für einen Kursrutsch von 4,46 Prozent - damit waren die Papiere des Düngemittel- und Salzproduzenten abgeschlagenes Schlusslicht im Dax. Ein Börsianer sah die Geschäftsentwicklung im Schlussquartal 2015 unter den Erwartungen. Dazu klinge der für 2016 angekündigte deutliche Ergebnisrückgang vorsichtig. Auch die angekündigte kräftige Dividendenanhebung half den Titeln des designierten Dax-Absteigers nicht. Nach der zuletzt freundlichen Entwicklung gebe es nun wohl auch Gewinnmitnahmen, mutmaßte der Börsianer.

Dagegen erfreute der Industriegase-Spezialist Linde die Anleger mit einem Kursplus von 0,54 Prozent. Der Konzern kündigte trotz schwacher Zahlen und verhaltener Geschäftsaussichten ebenfalls deutlich mehr Geld für seine Aktionäre an und übertraf damit die Markterwartungen. Zudem klang der vage Ausblick auf das laufende Jahr für einen Experten «weniger schlimm als befürchtet».

Auch andere Konzerne versöhnten mit höheren Ausschüttungen: Die Aktien von MDax-Spitzenreiter Hugo Boss sprangen um 3,46 Prozent hoch. Sie profitierten davon, dass der Modekonzern trotz eines Gewinnrückgangs im vergangenen Jahr und der eingetrübten Aussichten für 2016 seine Dividende stabil hält - Analysten hatten eine Senkung erwartet.

Bei Hannover Rück freuen sich die Anleger über eine weitere Sonderausschüttung - die vierte und höchste in der Unternehmensgeschichte. Geringe Großschäden und geglückte Finanzgeschäfte hatten dem Rückversicherer 2015 seinen ersten Milliardengewinn beschert. Die Aktien kletterten um gut 1 Prozent.