Dax fällt vom Rekord zurück - Kaufargumente fehlen

Der Rekordlauf am deutschen Aktienmarkt ist ins Stocken geraten. Der Dax fiel leicht.

«Die Argumente und die Fantasie, um die Kurse von ihrem Rekordniveau weiter nach oben zu treiben, fehlen», sagte Sören Steinert von der Fondsgesellschaft Quoniam. «Einige Anleger fangen daher an, Kasse zu machen.» Eine Atempause sei aber auch überfällig gewesen: «Der Markt handelt lustlos bei dünnen Umsätzen.»

Der Dax stand am Nachmittag mit 0,10 Prozent im Minus bei 11 398,89 Punkten. Noch am Morgen hatte der deutsche Leitindex seinen monatelangen Höhenflug fortgesetzt und die Rekordlatte auf 11 465 Punkte gelegt. Die Erwartung eines schwächeren Starts an den US-Börsen verschärfte die aufkommende Verkaufslaune noch.

Der MDax verlor zuletzt 0,29 Prozent auf 20 084,51 Punkte. Das Barometer des deutschen Mittelstands hatte am Vortag bei mehr als 20 278 Punkten ebenfalls einen Rekord markiert. Der Technologiewerte-Index TecDax rutschte am Nachmittag mit 0,06 Prozent ins Minus auf 1583,91 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 bröckelte um 0,23 Prozent ab.

Experten hatten ohnehin zunehmend die Frage aufgeworfen, ob es im aktuellen Anstieg nicht auch mal zu einer Korrektur kommen müsse.

Sie verweisen vor allem auf technische Gründe: Die Ampel stehe schon auf Gelb bis Gelb-Orange, erklärte Franz-Georg Wenner vom Börsen-Statistikmagazin Index-Radar nach einem Blick auf den Kursverlauf in den vergangenen 200 Tagen - ein unter Börsianern populärer Indikator für langfristige Trends. In der Vergangenheit seien Aufwärtsbewegungen auf vergleichbar hohen Kursniveaus wie dem derzeitigen oft ins Stocken geraten.

Die Geldflut der Notenbanken beflügelt die Aktienmärkte seit Jahren. Seit Anfang 2015 hat der Dax bis zu 17 Prozent zugelegt. Der Rekordlauf war zeitweise von Sorgen um die Krisen in Griechenland und der Ukraine abgebremst worden. Diese sind am Aktienmarkt aber in den Hintergrund gerückt.

Die Bilanz für das Jahr 2014 trieb die bereits gut gelaufenen Papiere der Merck KGaA bis zum Nachmittag um weitere 1,30 Prozent nach oben auf 95,50 Euro. Der Pharma- und Chemiekonzern blickt Analysten zufolge auf ein starkes Jahresende zurück.

Evonik-Aktien zählten nach der Vorlage von Geschäftszahlen zu den Favoriten im MDax. Der Spezialchemiekonzern hatte von einer schrittweisen Erholung der Preise von Kernprodukten profitiert. Die Aktie gewann 1,62 Prozent.

Nach den Kursverlusten der vergangenen Wochen setzten die Papiere der Lufthansa zur Erholung an: Mit einem Plus von 2,27 Prozent auf 13,295 Euro standen sie an der Dax-Spitze. Papiere der Deutschen Telekom verloren dagegen am Dax-Ende 1,71 Prozent auf 16,38 Euro.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 0,28 (Vortag: 0,27) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,07 Prozent auf 140,10 Punkte. Der Bund Future sackte um 0,09 Prozent auf 158,89 Punkte. Der Euro verlor an Wert: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1168 (1,1227) US-Dollar fest. Der Dollar kostete 0,8954 (0,8907) Euro.