Dax fällt von Rekord klar ins Minus

Äußerungen von der Europäischen Zentralbank (EZB) haben dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag einen turbulenten Verlauf und letztlich überwiegend Verluste beschert.

Viele Anleger zeigten sich Händlern zufolge enttäuscht darüber, dass die erhoffte schnelle Lockerung der Geldpolitik ausblieb. Der Dax sprang zu Beginn der Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi auf ein Rekordhoch von 10 083 Punkten, um sofort danach bis auf 9936 Punkte abzustürzen. In der Folgezeit bröckelte der Leitindex sogar bis auf 9835 Punkte ab und schloss mit einem Minus von 1,21 Prozent bei 9851,35 Punkten. Der MDax fiel um 0,85 Prozent auf 16 968,99 Zähler und der TecDax sank um 0,49 Prozent auf 1356,81 Punkte.

«Die EZB bleibt in einer abwartenden Haltung und den Marktreaktionen zufolge zeigen sich manche Marktteilnehmer enttäuscht», kommentierte Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba. Draghi habe die Spekulationen um einen bevorstehenden Kauf von Anleihen mit Verweis auf schwache Inflationsaussichten und wirtschaftliche Risiken aber am Leben gehalten, betonte Umlauf.

«Super-Mario Draghi enttäuschte heute zur Abwechslung mal die Märkte, und das nicht unerwartet, waren doch die Warnungen im Vorfeld erstaunlich laut zu vernehmen», kommentierte Jens Klatt, Chefanalyst von DailyFX. Dennoch hätten viele Anleger offenbar gemeint, diese Börse könne nur noch steigen und seien in den vergangenen Tagen auf den Zug aufgesprungen, der jedoch abrupt die Richtung gewechselt habe. «Der Kursrutsch zeigt ganz deutlich, wie abhängig die Aktienmärkte von der Droge Liquidität geworden sind. Und wenn man sie ihnen nicht in immer höheren Dosierungen zuführt, führt dieser Entzug zu einem schnellen Abschied von der Börse», ergänzte Klatt.

Finanzwerte rutschten nach den Aussagen Draghis ans Dax-Ende. Commerzbank-Aktien waren mit einem Abschlag von 3,29 Prozent der größte Dax-Verlierer, Deutsche Bank verbilligten sich um 2,43 Prozent. Im MDax verloren Aareal-Bank-Titel ebenfalls 2,43 Prozent. An der Dax-Spitze blieben Infineon mit plus 3 Prozent. Die Anteile des Halbleiterherstellers knüpften an ihre Vortagesgewinne im Kielwasser eines guten Ausblicks des US-Wettbewerbers Microchip Technology an.

Die Papiere der Lufthansa ließen sich von einem erneuten Streik nicht aus der Bahn werfen. Die Piloten der Fluggesellschaft haben ihre Arbeit zum zehnten Mal in diesem Jahr niedergelegt. Positive Nachrichten kamen aber vom Wettbewerber Ryanair. Europas größter Billigflieger erhöhte sein Gewinnziel zum dritten Mal im laufenden Geschäftsjahr. Zudem befindet sich der Reisemarkt in Deutschland ungeachtet der weltweiten Krisen auf Wachstumskurs, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) mitteilte. Die Lufthansa-Aktien gewannen 1,05 Prozent.

An die MDax-Spitze kletterten die Rheinmetall-Aktien nach einer positiven Analystenaussage mit plus 2 Prozent. Auch in dem Index mittelgroßer Werte zählte mit der Tui-Aktie ein Reisewert zu den Favoriten. Europas größter Reiseveranstalter Tui Travel hat kurz vor der Komplettübernahme durch den deutschen Konzern noch einmal besser verdient und damit für Freude bei den Aktionären gesorgt. Robert Halver von der Baader Bank verwies auch auf den Ölpreis: «Die Reisebranche ist Profiteur der fallenden Treibstoffpreise. Kosten sinken, Gewinne steigen und mit ihnen auch die Aktien.» Die Tui-Papiere stiegen um 1,79 Prozent.

In den deutschen Aktienindizes gab es zudem Veränderungen: Wegen des außerplanmäßigen Ausscheidens von Sky Deutschland aus dem MDax stieg am Donnerstag der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich in den Index mittelgroßer Werte auf. Den frei werdenden Platz im SDax nahm der Eisenbahnwaggon-Vermieter VTG ein. Der Börsenneuling Zalando wird kurz vor Weihnachten in den SDax aufgenommen.

Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone sank um 1,74 Prozent auf 3191,25 Punkte. Die Leitindizes an den Aktienmärkten in Paris und London verzeichneten ebenfalls klare Abgaben. An der Wall Street lag der Dow Jones Industrial zuletzt 0,40 Prozent unter dem Vortages-Schlussniveau.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere bei 0,64 Prozent. Der Rentenindex Rex gewann 0,01 Prozent auf 138,21 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,24 Prozent auf 152,03 Punkte. Der Kurs des Euro stieg deutlich nach der EZB-Pressekonferenz auf zuletzt 1,2433 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,2311 (1,2331) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8123 (0,8110) Euro.