Dax gibt Gewinne zum Handelsschluss fast komplett ab

Der Dax hat am Mittwoch nach einem überwiegend freundlichen Verlauf seine Gewinne fast vollständig abgegeben. Der deutsche Leitindex habe am späten Nachmittag wie ein Seismograph auf die bröckelnden Gewinne an den US-Börsen reagiert, sagte ein Marktbeobachter.

Nach einem Rekordhoch am Freitag bei rund 12 390 Punkten und zwei Verlusttagen in Folge beendete der Dax den Handel nun nahezu unverändert mit plus 0,03 Prozent bei 12 231,34 Punkten.

Nachdem sich der Dax seit Jahresbeginn von der Entwicklung der US-Börsen abgekoppelt und deutlich zugelegt hatte, richtet er sich nun wieder verstärkt nach den Kursentwicklungen in den USA, hieß es. Die just gestartete Berichtssaison sei ein wesentlicher Grund dafür.

Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,39 Prozent auf 21 570,69 Punkte hoch. Der Technologiewerte-Index TecDax sank hingegen um 0,19 Prozent auf 1674,70 Punkte.

Die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) brachte wie erwartet keine spektakulären Beschlüsse: Die Währungshüter beließen den Leitzins auf rekordniedrigen 0,05 Prozent und wollen ihre Anleihekäufe wie geplant bis September 2016 fortsetzen. Eine kurzzeitige Unterbrechung der Pressekonferenz wegen einer Störung durch eine politische Aktivistin sorgte nur für einen Schreckmoment.

Im Dax rückten die Aktien von ThyssenKrupp nach Pressespekulationen in den Blick und legten an der Index-Spitze um 1,41 Prozent zu. Wie das «Handelsblatt» unter Berufung auf Konzernkreise berichtete, will Finanzinvestor Lindsay Goldberg Vogel (LGV) die Edelstahltochter VDM Metals für rund 500 Millionen Euro übernehmen. Allerdings könnte der Preis noch sinken oder der Deal ganz scheitern, da die Belegschaft noch nicht überzeugt sei. Gegen deren Willen sei ein Verkauf nicht möglich, hieß es weiter. Der Betriebsrat verlange von LGV eine Garantie für Standorte und Arbeitsplätze.

Die Titel von Continental gewannen 1,00 Prozent und profitierten von Aussagen zur Geschäftsentwicklung des Wettbewerbers Michelin. Die Franzosen sprachen von einer wachsenden Nachfrage im europäischen Ersatzreifengeschäft. Dagegen verloren die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon 1,47 Prozent, waren allerdings am Dienstag noch auf den höchsten Stand seit 2007 geklettert.

Im TecDax büßten die Aktien von Drillisch 1,15 Prozent ein, waren allerdings erst vor wenigen Tagen auf ein Rekordhoch geklettert. Der Mobilfunkanbieter aus Maintal will seinen Vertrieb mit der Übernahme von The Phone House deutlich ausbauen.

Für einen Knalleffekt sorgte Fußballtrainer Jürgen Klopp, der sein über lange Jahre äußerst erfolgreiches Engagement beim Bundesligisten Borussia Dortmund (BVB) beenden wird. Die BVB-Aktien büßten daraufhin im SDax der geringer kapitalisierten Werte 1,00 Prozent ein.

An Europas Börsen wurden vorwiegend Gewinne eingefahren. Der EuroStoxx 50 beendete den Handel mit plus 0,50 Prozent bei 3803,55 Punkten und auch in Paris und London ging es nach oben. In den USA zeigte sich der Wall-Street-Index Dow Jones zum europäischen Handelsschluss mit 0,25 Prozent im Plus.

Am deutschen Rentenmarkt sank die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 0,10 (Vortag: 0,11) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,01 Prozent auf 140,90 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,34 Prozent auf 159,95 Punkte. Der Kurs des Euro stieg: Die EZB hatte den Referenzkurs auf 1,0579 (Dienstag: 1,0564) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9453 (0,9466) Euro.