Dax hält inne vor Yellen-Rede

Am deutschen Aktienmarkt haben die Anleger gespannt auf eine Rede von US-Notenbank-Chefin Janet Yellen gewartet.

Der Dax legte nach seiner viertägigen Gewinnserie mit weiteren Rekorden zunächst eine Verschnaufpause ein und bewegte sich seit dem Morgen kaum vom Fleck. Am Nachmittag stand der deutsche Leitindex mit 0,04 Prozent im Minus bei 11 126,65 Punkten.

Nicht einmal die grundsätzlich erzielte Einigung auf Griechenland-Hilfen konnte die Anleger zum Kaufen bewegen. Am späten Nachmittag richten sich die Blicke dann auf die USA, wo eine Rede von Fed-Chefin Yellen ansteht. Investoren werden ihre Aussagen auf Hinweise auf eine mögliche Leitzinserhöhung abklopfen.

Nach zähem Ringen um die Inhalte hatte die griechische Regierung ihre Reformliste gegen Mitternacht in Brüssel eingereicht. Nach Einschätzung der beteiligten EU-Institutionen und des IWF sind die Reformvorschläge derzeit ausreichend. Die Finanzminister der Eurogruppe sprachen sich daraufhin am Dienstag für eine Verlängerung des aktuellen Hilfsprogramms aus.

Da die Märkte auf einen erfolgreichen Ausgang der Griechenland-Verhandlungen spekuliert hätten, sollte die Entwicklung zum großen Teil in den Kursen eingepreist sein, erklärte Gregor Kuhn von IG Markets: «Auch wenn das Grexit-Szenario Mitte des Jahres wohl wieder auf die Tagesordnung kommen dürfte, ist der Verbleib Griechenlands zumindest für die kommenden vier Monate sichergestellt.»

Der MDax der mittelgroßen Werte stand zuletzt 0,45 Prozent tiefer bei 19 762,17 Punkten. Der Technologiewerte-Index TecDax, den zunächst noch starke Gewinne bei einigen Einzelwerten gestützt hatten, drehte zuletzt um 0,06 Prozent auf 1568,66 Punkte ins Minus. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte indes um 0,18 Prozent auf 3525,80 Punkte vor.

Yellen spricht später vor dem Bankenausschuss des US-Senats, am Mittwoch ist sie dann vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses geladen. Die Frage ist, ob die Fed an ihrer zentralen Formulierung dreht, wonach sie sich beim Ausstieg aus der Nullzinspolitik «in Geduld üben» werde. Jeglicher Hinweis aus der Yellen-Rede könnte für signifikante Marktbewegungen sorgen, schrieben die Experten der LBBW. Seit Monaten wird über den Zeitpunkt der sogenannten Zinswende spekuliert.

Von Konjunkturseite waren schon am Morgen wichtige Daten gekommen: Die deutsche Wirtschaft hat wie erwartet zum Jahresende Fahrt aufgenommen. Im vierten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gewachsen. Im weiteren Tagesverlauf könnten zudem US-Daten wie zur Entwicklung des Verbrauchervertrauens und zum Immobilienmarkt noch Impulse in den Handel bringen.

Auf Unternehmensseite waren Nachrichten aus dem Dax eher Mangelware. Es sorgten vor allem TecDax-Unternehmen mit ihren Bilanzen für Bewegung. Aixtron-Papiere verteidigten bis zum Nachmittag mit einem Plus von knapp 9 Prozent ihre Position an der TecDax-Spitze.

Der kriselnde Ausrüster für die LED-Industrie will nach Jahren in der Verlustzone zumindest in der zweiten Jahreshälfte 2015 wieder einen operativen Gewinn einfahren. Die Aussicht auf Synergien nach der Fusion mit E-Plus verteuerte die Aktien des O2-Mutterkonzerns Telefónica Deutschland um rund dreieinhalb Prozent.

Die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere fiel auf 0,31 (Vortag: 0,32) Prozent. Der Rentenindex Rex verlor 0,50 Prozent auf 139,98 Punkte. Der Bund-Future gab 0,23 Prozent auf 158,58 Punkte ab. Der Euro stieg: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1328 (1,1298) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8828 (0,8851) Euro.