Dax macht nach Brexit-Schock weiter Boden gut

Am deutschen Aktienmarkt hat sich die Erholung nach dem Brexit-Schock fortgesetzt. Der Dax, der sich über weite Strecken orientierungslos zeigte, beendete den Handel mit plus 0,71 Prozent bei 9680,09 Punkten.

Dax macht nach Brexit-Schock weiter Boden gut
Fredrik Von Erichsen Dax macht nach Brexit-Schock weiter Boden gut

Bei knapp unter 9700 Punkten hatte er rund eine halbe Stunde zuvor sein Tageshoch erreicht. Die Bilanz für den Monat Juni fiel dennoch bescheiden aus mit einem Verlust für den deutschen Leitindex in Höhe von 5,7 Prozent. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus damit auf knapp 10 Prozent.

«Der Dax versucht sich wieder über der 9600-Punkte-Marke zu etablieren, was aber nicht so leicht sein dürfte», sagte Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner. Der in den Sommermonaten weiter ausdünnende Handel und die Nachwehen der Brexit-Entscheidung erschwerten dies.

Einen Durchmarsch wieder in Richtung 10 000 Punkte sieht Lipkow daher nicht so schnell, zumal in den USA die Präsidentschaftswahl ansteht, Japan und China den Börsianern Sorgen bereiten und auch politische Themen rund um Syrien, Russland oder die Türkei neue Schwankungen auslösen könnten.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen legte um 0,91 Prozent auf 19 843,43 Punkte zu, während der Technologiewerte-Index TecDax um 1,08 Prozent auf 1601,04 Punkte stieg.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss mit plus 1,15 Prozent auf 2864,74 Punkte und auch die Pariser Börse verbuchte Gewinne in dieser Größenordnung. Die Börse in London dagegen legte erneut kräftiger zu mit einem Plus von mehr als 2 Prozent, während in den USA der Leitindex Dow Jones Industrial zur selben Zeit um 0,5 Prozent stieg.

Positive Signale gab es seitens der Konjunktur: In Deutschland sank die Arbeitslosigkeit im Juni auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren und zudem legten im Mai die deutschen Einzelhandelsumsätze spürbar zu. In der Eurozone stiegen die Verbraucherpreise im abgelaufenen Monat überraschend, sind allerdings immer noch weit entfernt vom 2-Prozent-Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB). In den USA hellte sich außerdem das Geschäftsklima in der wichtigen Wirtschaftsregion Chicago überraschend deutlich auf.

Unter den Einzelwerten im Dax stachen die Aktien der Deutschen Bank heraus, die bei 12,05 Euro zeitweise auf ein neues Rekordtief gerutscht waren. Mit minus 2,65 Prozent bei 12,325 Euro beendeten sie den Tag, nachdem die Bank in den USA das zweite Mal in Folge beim Stresstest der US-Notenbank durchgefallen war. Die Aufsichtsbehörde bemängelte im Speziellen das Risikomanagement und die internen Kontrollen.

Dagegen nahmen die Anteilsscheine des Versorgers RWE mit plus 6,81 Prozent die Index-Spitze ein und machten damit ihre Verluste seit dem Brexit-Votum wieder wett. Die Aussicht auf hohe Dividenden der neuen Tochter Innogy gab Auftrieb. In ihr will RWE die Zukunftsgeschäfte Vertrieb, Netze und Ökostrom ausgliedern. Das Unternehmen soll künftig 70 bis 80 Prozent des bereinigten Nettogewinns an die Eigentümer ausschütten.

Dank positiver Studien gewannen die Aktien von Beiersdorf 3,30 Prozent. Im Umfeld eines wieder wachsenden Interesses an sogenannten defensiven Aktien, die von konjunkturellen Entwicklungen weniger abhängig sind, empfiehlt das Analysehaus Kepler Cheuvreux Beiersdorf nun zum Kauf. Auch die australische Investmentbank Macquarie äußerte sich positiv.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen von ihrem Rekordtief bei minus 0,23 Prozent am Vortag auf aktuell minus 0,21 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,09 Prozent auf 143,74 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,33 Prozent auf 167,23 Punkte. Der Kurs des Euro fiel am Abend wieder unter 1,11 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1102 (Mittwoch: 1,1090) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9007 (0,9017) Euro.