Dax schießt nach Draghi-Aussagen hoch

Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag einen Schub verliehen.

Nach einem über weite Strecken trägen Handel schoss der Dax am Nachmittag nach dem Start der Pressekonferenz der EZB hoch. Zuletzt stand der deutsche Leitindex 1,40 Prozent im Plus bei 9445,60 Punkten.

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg um 0,81 Prozent auf 16 306,72 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 0,42 Prozent auf 1264,53 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 kletterte um gut eineinhalb Prozent nach oben.

Die EZB signalisierte die Möglichkeit zusätzlicher geldpolitischer Lockerungen zur Unterstützung der Wirtschaft. Sollte es notwendig werden, sei der EZB-Rat einig darin, zusätzliche unkonventionelle Schritte - dazu gehören Wertpapierkäufe - zu ergreifen, sagte Notenbankchef Mario Draghi.

Der Rat habe seinen Mitarbeiterstab bereits damit beauftragt, Vorbereitungen für weitergehende Maßnahmen zu treffen. Die Aussagen seien bei den Anlegern sehr gut angekommen, kommentierte Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black.

Auf Unternehmensseite dominierte die auf Hochtouren laufende Berichtssaison das Geschehen. Allein acht Dax-Konzerne legten ihre Geschäftszahlen vor.

Grund zur Freude hatten mit Blick auf den Dax vor allem die Aktionäre des Baustoffproduzenten HeidelbergCement, des Sportartikelkonzerns Adidas und des Nivea-Herstellers Beiersdorf.

HeidelbergCement profitierte im abgelaufenen Quartal von guten Geschäften in Nordamerika und Großbritannien; bei Adidas lobte ein Analyst die Fortschritte beim Abbau der hohen Lagerbestände. Beide Papiere legten um mehr als 5 Prozent zu.

Beiersdorf-Aktien schnellten ebenfalls um mehr als 5 Prozent nach oben, obwohl der Konsumgüterkonzern im dritten Quartal weniger verdient hatte. Offenbar waren den Anlegern die bestätigten Jahresziele des Konsumgüterherstellers wichtiger; zuvor hatte der Rivale L'Oreal mit seinen Geschäftszahlen enttäuscht.

Für die Anteilsscheine von Siemens ging es um 2,14 Prozent nach oben. Die Aktionäre sollen mit 3,30 Euro je Papier 10 Prozent mehr Dividende bekommen als vor einem Jahr. Auch die Titel der ehemaligen Siemens-Tochter Osram profitierten einem Börsianer zufolge von einer in Aussicht gestellten Dividende.

Schlusslicht im Dax waren aber die Anteilsscheine des Chemiekonzerns Lanxess mit einem Minus mehr als 5 Prozent. Zwar sei das dritte Jahresviertel etwas besser gelaufen als gedacht, doch lägen die angekündigten Kostensenkungen unter den Erwartungen, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Bank. Lanxess streicht 1000 Stellen, nachdem das Geschäft schwächelt.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere bei 0,69 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,04 Prozent auf 138,14 Punkte. Der Bund-Future gab um 0,22 Prozent auf 150,88 Punkte nach. Der Kurs des Euro knickte nach den EZB-Aussagen ein. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,2421 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,2517 (Mittwoch: 1,2480) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7989 Euro.