Dax schließt unter 9000 Punkten

Der Dax hat erstmals seit Ende Oktober 2013 wieder unter der Marke von 9000 Punkten geschlossen. Konjunktursorgen und internationale Krisen setzten dem deutschen Aktienmarkt weiter zu. Die schwächelnde Wall Street belastete zusätzlich.

Der Dax beendete den Handel mit einem Abschlag von 1,00 Prozent bei 8995,33 Punkten, nachdem er kurz davor bei 8960 Punkten auf sein Tagestief gesunken war. Der MDax sank um 1,11 Prozent auf 15 377,22 Punkte. Der TecDax gab um 1,79 Prozent auf 1181,53 Punkte nach.

«Lange Zeit hatten die Finanzmärkte die Krisen rund um den Globus ignoriert, nun müssen sie als Begründung für die Korrektur herhalten», sagte Chefanalyst Jens Klatt vom Broker DailyFX. Es gebe derzeit überhaupt keine positiven Impulse.

Zuletzt war der Deutsche Aktienindex am 8. August im Tagesverlauf unter 9000 Punkte gefallen. Auslöser waren damals bereits die internationalen Krisen. Davon hatten sich die Börsen aber erholen können, weil der Optimismus wieder stieg. Am 19. September erreichte der Dax im Handelsverlauf sogar wieder 9891,20 Punkte.

Mit wachsender Sorge um eine Abkühlung der Weltwirtschaft ging es seit Mitte September an den Börsen wieder abwärts, der Dax verlor seitdem rund neun Prozent. Die Stimmung hat sich zuletzt deutlich verschlechtert. Immer mehr Institute korrigierten ihre Konjunkturprognosen auch für Deutschland nach unten. Das Ifo-Geschäftsklima, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, sank im September den fünften Monat in Folge. Experten schließen selbst für Deutschland, der Kojunkturlokomotive in Europa, im dritten Quartal ein Abrutschen in die Rezession nicht mehr aus.

Politische Spannungen, Kriege sowie die Furcht vor einer sich ausbreitenden Ebola-Epidemie verdüstern das Bild zusätzlich. «Der Abwärtstrend beim Dax ist kristallklar, das Potenzial reicht bis an die 8900-Punkte-Marke», kommentierte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar.

Zu den Krisensorgen kommen Bedenken über die sich abzeichnende Zinswende in den USA - also der ersten Leitzinserhöhung seit der Finanzkrise. Die Politik des billigen Geldes gilt als einer der wichtigsten Kurstreiber der vergangenen Jahre.

Im Dax sind die Werte der 30 wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen zusammengefasst. Während der Finanzkrise war er im März 2009 innerhalb kurzer Zeit auf unter 3700 Punkte gefallen. Sorgen über die Rezession und die maroden Staatsfinanzen beherrschten damals die Debatten der Anleger.

Die Aktien von Continental waren mit minus 4,41 Prozent der schwächste Dax-Wert, gefolgt von SAP mit minus 3,88 Prozent. Händler sind in Sorge darüber, dass die Jahresziele des größten europäischen Softwareherstellers in Gefahr geraten könnten, weil Finanzchef Luka Mucic einen Einstellungsstopp bis Jahresende verordnet hat und auf Kostendisziplin pocht.

Die Lufthansa-Titel setzten mit einem Abschlag von 1,70 Prozent ihre Talfahrt vom Vortag fort. Neben der Furcht vor der Ebola-Epidemie kommen Konjunktursorgen bei den Airlines besonders schwer zum Tragen. Eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank trieb dagegen die Fresenius-Aktien mit plus 2,98 Prozent an die Dax-Spitze.

Sehr schwach präsentierten sich auch die Aktien von Gerresheimer aus dem MDax. Sie verloren 3,45 Prozent, weil der Verpackungsspezialist seine Jahresprognose nach einem Wachstumsdämpfer im dritten Quartal etwas reduziert hatte.

Der EuroStoxx 50 sank um 0,93 Prozent auf 3053,31 Punkte. Auch der Cac-40-Index in Paris schloss deutlich im Minus. Der FTSE-100-Index in London gab hingegen nur leicht nach. In New York stand der Dow Jones Industrial zuletzt sogar moderat im Plus.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,75 Prozent am Vortag auf 0,73 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,08 Prozent auf 137,93 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,14 Prozent auf 150,13 Punkte. Der Kurs des Euro legte zu. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,2645 (Dienstag: 1,2607) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7908 (0,7932) Euro.