Dax springt über 11 500 Punkte dank EZB-Geldschwemme

Der deutsche Aktienmarkt hat die ungebrochene Geldschwemme der Europäischen Zentralbank mit neuen Höchstständen gefeiert. Der Dax kletterte erstmals in seiner Geschichte über 11 500 Punkte.

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen lauerte nur knapp unter seinem am Montag erreichten historischen Hoch bei 20 278 Punkten.

Am Nachmittag stand der Dax noch 0,98 Prozent im Plus bei 11 502,29 Punkten, nachdem er zuvor bis auf 11 527 Punkte gestiegen war. Auslöser für den Sprung waren Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi nach einer Sitzung der Zentralbank.

Die europäischen Währungshüter ließen die Leitzinsen wie erwartet unverändert. Im Fokus standen aber Details zum Wertpapier-Kaufprogramm («Quantitative Lockerung»). Dieses beginnt am kommenden Montag, den 9. März. Die Aussicht auf den billionenschweren Geldsegen der Notenbanker treibt seit Wochen die Märkte auf immer neue Höhen. Derweil fiel der Euro weiter in Richtung 1,10 US-Dollar und erreichte ein neues Tief seit elf Jahren.

«Das EZB-Treffen rückt die bereits beschlossenen Anleihekäufe in den Mittelpunkt», sagte Markus Huber vom Wertpapierhändler Peregrine & Black in London. «Das treibt den Markt schon wieder an nach dem kurzen Rücksetzer der Vortage.» Den Experten des Analysehauses Capital Economics zufolge könnten bestehende Deflationsrisiken noch umfangreichere geldpolitische Unterstützungen auslösen als das bisher geplant ist.

Der MDax stand zuletzt mit 1,05 Prozent im Plus bei 20 170,11 Punkten.  Der TecDax gewann 1,04 Prozent auf 1585,80 Punkte. Der deutsche Auswahlindex für Technologiewerte bewegte sich knapp unter seinem Hoch seit fast 14 Jahren. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 kletterte um 0,75 Prozent nach oben.

Im Blick der Aktienhändler standen auch Quartalszahlen: Adidas-Aktien sprangen nach der Vorlage endgültiger Jahreszahlen für 2014 als bester Dax-Wert um 3,48 Prozent hoch. Der Sportartikel-Hersteller verzeichnete nach eigener Einschätzung eine starke Umsatzdynamik zum Jahresende. Händlern zufolge ist der Ausblick «solide» und die Dividende gut. Die Aktie erreichte wieder ihr Niveau vom Sommer 2014. Damals hatte Europas Branchenprimus die Börse mit einer Gewinnwarnung geschockt.

Continental konnte die Investoren mit seinem Zahlenwerk ebenfalls überzeugen: Die Papiere des Autozulieferers verteuerten sich um 2,16 Prozent. «Die Conti-Aktie ist ein Liebling der Börsianer», sagte Experte Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Conti will vom Wachstum der PS-Branche profitieren und peilt für 2020 satte 50 Milliarden Euro Umsatz an. Verglichen mit den Plänen für 2015 wäre dies ein Anstieg von einem Drittel.

Die Aktien der Deutsche Annington rutschten nach Bekanntgabe von Geschäftszahlen um 2,73 Prozent ab. Dabei erreichte das Immobilienunternehmen vor der geplanten Fusion mit Gagfah einen Rekordgewinn. Händler ordneten die Zahlen «erwartungsgemäß» ein. Sie sorgten sich aber um eine baldige Kapitalerhöhung.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 0,31 (Vortag: 0,29) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,12 Prozent auf 139,87 Punkte. Der Bund Future gewann 0,20 Prozent auf 159,07 Punkte. Der Euro verlor an Wert: Die EZB setzte den Referenzkurs gegen Mittag und damit vor der Draghi-Pressekonferenz auf 1,1069 (1,1124) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9034 (0,8990) Euro.