Dax springt wieder über Marke von 10 000 Punkten

Eine überraschende Leitzinssenkung in China hat die Börsen nach dem jüngsten Crash beflügelt.

Der deutsche Leitindex Dax kletterte am Dienstag wieder über die Marke von 10 000 Punkten und legte bis zum Nachmittag um mehr als 4 Prozent zu. Am Vortag war das Börsenbarometer zeitweise um mehr als 7 Prozent in die Tiefe gerauscht. Auch an den anderen europäischen Aktienmärkten und in den USA ging es wieder aufwärts. Für Chinas Börsen kam die Ankündigung der Notenbank nach Handelsschluss dagegen zu spät.

Um die Konjunktur zu beleben und die Aktienmärkte zu stabilisieren, senkte die chinesische Notenbank den Leitzins und die Anforderungen für die Mindestreserven der Banken. Die fünfte Zinssenkung in neun Monaten demonstrierte, wie ernst die Zentralbank die Lage einschätzt.

Zuvor waren die Kurse in China erneut in die Tiefe gerauscht und zogen auch die Börsen in Tokio weiter nach unten. Der Composite Index in Shanghai sackte um 7,63 Prozent auf 2965 Punkte ab - und schloss damit unter der Marke von 3000 Punkten. Auch der Component Index in Shenzhen gab erneut deutlich nach und beendete den Handel mit einem Minus von 7,04 Prozent bei 10 198 Punkten. Am Vortag waren die Kurse bei ihrem größten Einbruch seit acht Jahren um über 8 Prozent gefallen.

Analysten begründeten die erneut heftigen Kurseinbrüche in China vor allem damit, dass die Regierung ihre Stützungskäufe auf Eis gelegt habe. Seit dem Beginn des Börsenkrachs Mitte Juni hatten die Behörden zunächst versucht, die Märkte mit milliardenschweren Interventionen zu stabilisieren. Sowohl am Montag als auch am Dienstag seien neue Hilfen jedoch ausgeblieben.

Jahrelang profitierten große Wirtschaftsmächte vom rasanten Wachstum in China. Nun geht die Sorge um, dass diese Zeit vorerst vorbei sein könnte. Zwar bremst die schwächelnde Konjunktur in China und anderen wichtigen Schwellenländern das Wachstum der deutschen Autobauer. So schrumpfte der Absatz der deutschen Hersteller im Reich der Mitte nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung EY im zweiten Quartal um sechs Prozent.

Insgesamt hat die Konjunkturabkühlung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aber noch keine größeren Spuren hinterlassen. Der vielbeachtete Ifo-Geschäftsklimaindex legte im August sogar leicht von 108 auf 108,3 Punkten zu und überraschte damit viele Konjunkturexperten, die einen Rückgang erwartet hatten. «Die deutsche Wirtschaft bleibt ein Fels in der weltwirtschaftlichen Brandung», sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn München.

In China normalisiere sich das Wachstum derzeit, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Nagel der «Börsen-Zeitung». Der Absturz an den dortigen Börsen sei eine Korrektur nach den rasanten Anstiegen der vergangenen Jahre. Chinas Regierung und Notenbank verfügten notfalls noch über genügend Mittel, um die Lage zu stabilisieren: «China ist wirtschaftlich stark genug, um im Notfall dagegenzuhalten, falls die Finanzmarktstabilität insgesamt in Gefahr gerät.»

Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Vitor Constancio, erwartet keine starke Abschwächung der chinesischen Wirtschaft, wie er in Mannheim sagte.

IW-Direktor Michael Hüther hält die heftige Reaktion der Börsen auf die Probleme in China für übertrieben. «Die Weltwirtschaft als Ganzes wird dadurch sicherlich weniger dynamisch, aber sie wird nicht in eine Rezession verfallen», sagte er im Deutschlandfunk.

Analysten der schweizerischen Bank Credit Suisse schrieben in einer Studie, dass die Investoren mittlerweile zu pessimistisch auf die Weltwirtschaft blickten. Experten der französischen Großbank Societé Generale blieben nach dem jüngsten Kursrutsch allerdings vorsichtig für den Dax. Anleger sollten «nicht in das fallende Messer greifen», schrieben die Marktstrategen Roland Kaloyan und Kevin Redureau.

Die Ölpreise stoppten am Dienstag vorerst ihre Talfahrt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 43,37 US-Dollar. Das waren 68 Cent mehr als am Montag.

Der Euro gab etwas von seinen starken Vortagesgewinnen ab. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1550 US-Dollar gehandelt und damit etwas tiefer als am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1506 Dollar fest.