Dax trotzt Sorgen um US-Haushaltspoker

Allen Sorgen um den schwelenden US-Haushaltspoker zum Trotz hat der Dax am Montag nahezu unverändert geschlossen.

Nach einem zunächst schwachen Handelsverlauf ging der deutsche Leitindex am Ende mit minus 0,01 Prozent auf 8723,81 Punkte in den Feierabend. Damit verteidigte das Börsenbarometer die Marke von 8700 Punkten, über der es am vergangenen Freitag erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte geschlossen hatte. Der MDax schaffte kurz vor Schluss noch den Dreh in die Gewinnzone und beendete den Montagshandel mit einem Aufschlag von 0,11 Prozent auf 15 252,31 Punkte. Der TecDax verlor 0,09 Prozent auf 1087,27 Punkte.

Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone schloss 0,11 Prozent fester bei 2977,69 Punkten. Auch die Leitindizes in London und Paris gewannen moderat. In New York lag der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa mit 0,24 Prozent im Minus.

«Die Märkte reagieren deutlich weniger, als man annehmen könnte», sagte Marktanalyst Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank. «Dies kann nur daran liegen, dass die meisten Teilnehmer doch noch von einer kurzfristigen Einigung im US-Haushaltsstreit ausgehen und alles andere für Säbelrasseln halten.» Börsianer begründeten die anfänglich höheren Verluste am Aktienmarkt auch mit enttäuschenden Konjunkturnachrichten aus China.

Der US-Haushaltsstreit ging am Montag in die entscheidende Woche, doch bislang ist keine Einigung in Sicht. Am Wochenende hatte US-Präsident Barack Obama den Vorschlag der Republikaner abgelehnt, die Schuldengrenze lediglich für sechs Wochen zu erhöhen. Nun suchen die beiden Spitzenvertreter der Republikaner und Demokraten im Senat, Mitch McConnell und Harry Reid, nach einem Kompromiss. Kommt dieser bis zum Stichtag 17. Oktober nicht zustande, können die USA laut Expertenberechnungen vermutlich nur noch bis etwa Ende Oktober ihre Rechnungen bezahlen. Danach würden sie in die Zahlungsunfähigkeit abrutschen - mit wahrscheinlich schweren Folgen für die Weltwirtschaft.         

Am Dax-Ende fanden sich die Titel von Infineon wieder, die um 1,52 Prozent auf 7,365 Euro nachgaben. Die US-Investmentbank Merrill Lynch hatte die Kaufempfehlung für die Aktien des Halbleiterherstellers gestrichen. Ein optimistischerer Ausblick sei mittlerweile zu großen Teilen eingepreist, schrieb Analyst Didier Scemama.

Aktien der Versorger Eon und RWE aber stachen mit Gewinnen von bis zu 1,29 Prozent positiv hervor. Händler verwiesen auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», den sie als Stütze werteten. Demnach wollen die beiden Energiekonzerne die anstehenden Koalitionsverhandlungen nutzen, um die milliardenschwere Brennelementesteuer für Atomkraftwerke zu kippen. Das sei gut für die Stimmung der Branche, meinte ein Börsianer. Immerhin schüre es ein wenig Hoffnung, dass diese Steuer gekürzt werden könnte. Den Dax führten Papiere der Deutschen Telekom mit einem Aufschlag von knapp eineinhalb Prozent an.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,53 Prozent am Freitag auf 1,52 Prozent. Der Rentenindex Rex verharrte bei 133,27 Punkten. Der Bund-Future rückte um 0,08 Prozent auf 139,47 Punkte vor. Der Kurs des Euro profitierte vom schwelenden US-Etatstreit und notierte zuletzt bei 1,35793 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,3564 (Freitag: 1,3566) Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,7373 (0,7371) Euro.