Dax und MDax erklimmen Rekorde - Hoffnung im US-Etatstreit

Die Hoffnung auf eine baldige Einigung im US-Haushaltspoker hat dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag Höchststände beschert. Mit einem Bestwert von 8820,98 Punkten durchbrach der Dax erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte die Marke von 8800 Zählern.

Bereits am Morgen hatte der Leitindex die ehemalige Rekordmarke von 8770,10 Punkten vom 19. September hinter sich gelassen. Am Abend ging er dann mit einem Plus von 0,92 Prozent auf 8804,44 Punkte aus dem Handel.

Der MDax markierte im Handelsverlauf ein Rekordhoch bei 15 462,17 Punkten und beendete den Börsentag schließlich mit einem Aufschlag von 1,12 Prozent auf 15 422,87 Punkte. Für den TecDax ging es um 1,10 Prozent auf 1099,22 Punkte nach oben. Auch in Europa ging es aufwärts: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 übersprang erstmals seit Mai 2011 wieder die Marke von 3000 Punkten und schloss 0,90 Prozent fester bei 3004,56 Punkten.

Positiv wurden laut Christian Henke vom Broker IG auf dem Frankfurter Börsenparkett auch die jüngsten Konjunkturdaten aufgenommen. Der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen von Kapitalmarktexperten der kommenden sechs Monate in Deutschland widerspiegelt, konnte im Oktober überraschend zulegen.

Im wochenlangen Streit um die Finanzen der USA ist der Durchbruch in greifbare Nähe gerückt. Spitzenvertreter von Republikanern und Demokraten arbeiteten gemeinsam an einer Übergangslösung. Der bisherige Plan sieht unter anderem vor, die Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar (12,3 Billionen Euro) vorübergehend bis 7. Februar anzuheben. Außerdem soll die Regierung bis zum 15. Januar finanziert werden. Seit dem 1. Oktober arbeitet sie ohne verabschiedeten Haushalt und kämpft gegen den Finanzierungsnotstand.

Trotz des neu aufgeflammten Optimismus zeigten sich zahlreiche Marktbeobachter noch skeptisch. «Vorsichtige Investoren sollten sich erinnern, dass wir schon einmal solch positive Rhetorik gehört haben», sagte Händler Nick Dale-Lace vom Broker CMC Markets. Und die Experten von Natixis Global Asset Management kommentierten: «Falls eine Einigung zur Anhebung der Schuldenobergrenze bis zum 17. Oktober doch nicht erreicht wird, dürften die Märkte weiterhin nervös hinsichtlich einer möglichen Zahlungsunfähigkeit der USA bleiben.»

Zu den Favoriten im Dax gehörten die Titel von Lanxess mit plus 2,99 Prozent auf 49,365 Euro. Händler begründeten dies unter anderem mit den Aussagen des Automobilzulieferers Michelin zur Reifennachfrage. Die Franzosen erwarten in Europa sowohl bei neuen als auch bei Ersatzreifen einen Nachfrageanstieg. Lanxess produziert unter anderem Kautschuk für die Reifenherstellung. Titel des Michelin-Wettbewerbers Continental verteuerten sich um 1,57 Prozent.

Gefragt waren nach einer Kurszielerhöhung durch Bernstein auch die Aktien von BMW, die mit plus 2,88 Prozent auf 82,95 Euro so teuer waren wie noch nie. Die Profitabilität der deutschen Autobauer werde von der wieder anziehenden Nachfrage in China nach hochwertigen Autos angetrieben, schrieb Analyst Max Warburton in einer Branchenstudie. Auch die übrigen Autowerte legten zu.

Im MDAX setzten sich Symrise-Aktien mit einem Aufschlag von gut fünf Prozent an die Index-Spitze und stoppten damit ihre mehrtägige Verlustserie. Händler verwiesen auf eine frische Kaufempfehlung durch die Privatbank Metzler.

Auch die Leitindizes in London und Paris verbuchten Gewinne. In New York lag der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa mit 0,25 Prozent im Minus.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,55 (Vortag: 1,52) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,12 Prozent auf 133,12 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,15 Prozent auf 139,18 Punkte. Der Kurs des Euro sank. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor den Referenzkurs auf 1,3493 (Montag: 1,3564) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7411 (0,7373) Euro.