Dax verliert wegen politischer Unsicherheit

Trübe Aussichten auf eine Einigung im Budgetstreit in den USA haben den deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte belastet.

Hinzu kamen laut Händlern schwache Daten vom Arbeitsmarkt der weltgrößten Volkswirtschaft. Dass die italienische Regierung um Enrico Letta das Vertrauen des Parlaments ausgesprochen bekam und die EZB weiter am Niedrigzins festhielt, konnte die Unsicherheit am Markt nur kurz lindern.

Die deutschen Standardwerte stoppten ihren Aufwärtstrend vom Vortag. Der Dax fiel um 0,60 Prozent auf 8637 Punkte. Der MDax mittelgroßer Werte verlor 0,16 Prozent auf 15 150 Punkte. Der TecDax hingegen zeigte sich robuster mit Gewinnen von 0,41 Prozent bei 1095 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab 0,44 Prozent ab.

Konjunkturdaten aus den USA belasteten am Nachmittag den deutschen Leitindex. Die Daten des privaten ADP-Instituts zum Arbeitsmarkt fielen schwächer aus als von Experten erwartet. Wegen des Haushaltsstreits in den USA ist es fraglich, ob der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag veröffentlicht wird - die Märkte würden dem ADP-Bericht daher womöglich mehr Gewicht verleihen, hieß es.

Bei einem Scheitern der Verhandlungen um die Schuldenobergrenze Mitte Oktober sähen die Märkte derweil größeren Problemen entgegen, sagte Marktstratege David Zervos vom Analysehaus Jefferies. Es sei bemerkenswert, wie ruhig die Finanzmärkte bislang auf die Haushaltssperre reagiert hätten, kommentierte auch Händlerin Anita Paluch vom Broker Gekko Global Markets.

In Mailand hingegen bekam die Börse Auftrieb. Der italienische Leitindex FTSE MIB gewann zuletzt 0,68 Prozent. Silvio Berlusconi beendete am Mittwoch seinen Widerstand gegen die Regierung von Ministerpräsident Enrico Letta. Die Regierungskrise in Italien hatte zuvor tagelang für Verunsicherung an den Märkten gesorgt.

Unter den Einzelwerten gewannen Aktien von Gerresheimer nach Zahlen zum dritten Quartal 2,57 Prozent. Händler und Analysten waren erleichtert, dass die Unternehmensprognose des Verpackungsspezialisten Bestand hat. Zuvor hatten sie ein eher schwaches Vierteljahr erwartet. Analyst Sven Kürten von der DZ Bank bezeichnete die Bestätigung des Ausblicks als ermutigend.

Im Dax fielen die Titel der Lufthansa um 3,95 Prozent zurück und damit ans Index-Ende. Die größte deutsche Fluggesellschaft leidet laut Analyst Michael Kuhn unter Währungseffekten und einer nach wie vor trägen Nachfrage. Zudem dürfte sich das Umstrukturierungsprogramm «Score» länger als erwartet hinziehen. Auch Titel von Air Berlin im SDax gaben 2,86 Prozent ab.

Bei Autowerten zeigten sich die Märkte skeptisch. In Deutschland blieb der Pkw-Absatz auch im September hinter dem Vorjahresmonat zurück, zudem waren die Verkäufe auch in den USA gemischt ausgefallen. Volkswagen-Papiere verloren 1,86 Prozent. Bei den Autos der Hausmarke VW war der US-Absatz im September um gut zwölf Prozent eingebrochen. BMW gab trotz gestiegener Verkäufe in den Staaten mit 1,45 Prozent ebenfalls ab. Auch bei Daimler betrug das Minus trotz wachsenden Absatzes 1,17 Prozent.

Branchenexperten zeigten sich nun auch wegen möglicher Auswirkungen des Haushaltsstreits skeptischer und reduzierten ihre Prognose für den Jahresabsatz. Aktien von K+S verloren 1,26 Prozent. Bei einem Unglück in einem Kali-Bergwerk des Konzerns in Thüringen waren am Dienstag drei Menschen ums Leben gekommen.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,46 Prozent am Vortag auf 1,45 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,13 Prozent auf 133,71 Punkte. Der Bund-Future mit Laufzeit Dezember verlor 0,08 Prozent auf 140,04 Punkte. Der Euro hat zuletzt wieder angezogen und wurde bei 1,3581 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,3515 (Dienstag: 1,3554) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7399 (0,7378) Euro.