Dax zeigt sich leichter: Anleger bleiben gelassen

Anleger in deutsche Aktien haben am Montag gelassen auf das Ergebnis eines spannenden Wahlsonntags reagiert. Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research sagte: «Die Fortsetzung der Kanzlerschaft war eingepreist, belasten könnten nur allzu zähe Koalitionsverhandlungen.»

Der Dax bröckelte bis zum Nachmittag aber mit 0,44 Prozent ins Minus auf 8637 Punkte. In der Vorwoche hatte der deutsche Leitindex 1,95 Prozent gewonnen und bei 8770 Punkten ein Rekordhoch markiert. Der MDax fiel zuletzt um 0,31 Prozent auf 14 974 Punkte, während der TecDax 0,37 Prozent auf 1071 Punkte zulegte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rutschte nach freundlichem Start ebenfalls mit 0,44 Prozent ins Minus.

Nach einem Ergebnis knapp unter der absoluten Mehrheit für die CDU bleibt Angela Merkel mit einem großen persönlichen Sieg Kanzlerin. Sie muss sich aber nach dem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde einen neuen Partner suchen. Ric Spooner von CMC Markets sieht nach dem jüngsten Höhenflug des Dax' nun Korrekturbedarf. Auch Saurenz sagte: «Selbst Äußerungen von US-Notenbankern aus der zweiten Reihe beeinflussen den Dax offenbar mehr als der Wahlsieg Angela Merkels.»

Am Freitag hatten die Börsen unter Fed-Mitglied James Bullard gelitten, der mögliche erste Bremsmaßnahmen der US-Notenbank schon für Oktober angedeutet hatte. Das wirkt Händlern zufolge noch negativ nach und rückt weitere Reden von Notenbankern in den Fokus. Die Stimmung im Euroraum hat sich im Sommer merklich verbessert.

Die Versorger zählten nach der Wahl zu den Verlierern. Händlern zufolge bleibt die Unsicherheit bestehen, denn eine schwarz-grüne Regierung könnte die Energiekonzerne belasten. Auch eine große Koalition würde für viele keine klare Stimmungsaufhellung bringen. Eon-Papiere verloren 1,44 Prozent, Aktien von RWE fielen um 1,09 Prozent. Händlern zufolge bleibt die Nachrichtenlage für den zweitgrößten deutschen Versorger ohnehin schlecht. Denn die Energiewende trifft RWE laut «WirtschaftsWoche» härter als erwartet.

Aktien der Deutschen Post waren mit minus 2,90 Prozent der größte Verlierer. Händler sprachen hier aber von einem Sondereffekt, denn die Papiere des Logistikers waren am Freitag wegen der Aufnahme der Aktien in den EuroStoxx 50 bei enormen Umsätzen kräftig nach oben gesprungen. Das werde nun wieder etwas ausgeglichen. Das zum Wochenende erreichte Hoch seit Januar 2008 bleibt aber in Reichweite.

Infineon-Titel gewannen an der Dax-Spitze 1,40 Prozent. Die Anteile am Halbleiterkonzern profitierten von optimistischen Aussagen des Finanzvorstands in einem Interview. Zweitbester Wert waren HeidelbergCement-Titel mit plus 1,30 Prozent. JPMorgan blieb in einer aktuellen Studie nach einem Analystentag positiv. Die UBS hat indes einen Anteil an dem Zementkonzern von 3,18 Prozent gemeldet.

Immobilienwerte zählten nach der Wahl auch zu den Verlierern. Wegen der zu befürchtenden Mietpreisbremse wäre eine Koalition der CDU mit der FDP der beste Wahlausgang gewesen, sagte ein Händler, das schlechteste eine rot-grüne Regierung. Das starke Ergebnis von Merkel liege nun eher in der Mitte, was den Sektor wohl belaste. Die Papiere von LEG Immobilien waren mit minus 3,15 Prozent besonders schwach im MDax.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,56 Prozent (Freitag: 1,54) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,13 Prozent auf 132,79 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,09 Prozent auf 138,39 Punkte. Der Euro tendierte leichter. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3508 (1,3514) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7403 (0,7400) Euro.