Debra Milke nach Jahrzehnten in US-Todeszelle frei

22 Jahre saß eine gebürtige Berlinerin in einer Todeszelle in den USA - jetzt ist sie zumindest vorläufig wieder frei. Lächelnd, aber zugleich nervös und ängstlich verließ die heute 49-Jährige am Freitag das Lower Buckeye-Gefängnis in Phoenix (Arizona).

Abgeholt wurde sie von ihrem Anwalt Michael Kimerer, nachdem eine Kaution in Höhe von 250 000 Dollar (etwa 190 000 Euro) hinterlegt worden war - möglicherweise von Milkes Mutter und anderen Unterstützern.

Die Freilassung gegen eine Kaution war am Donnerstag von einer Richterin verfügt worden. Milke habe nach der Entscheidung vor Freude geweint, berichtete das Blatt. «Ich bin davon so überwältigt, ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren soll», sagte sie ihrem Anwalt.

Milke war für schuldig befunden worden, 1989 zwei Männer zur Ermordung ihres vierjährigen Sohnes angestiftet zu haben. Ein Berufungsgericht in San Francisco hatte das Urteil schließlich im vergangenen März aufgehoben: Es gebe keine direkten Beweise oder Augenzeugen, die Milke mit der Tat in Verbindung gebracht hätten.

Jetzt wird der Fall in einem zweiten Prozess neu aufgerollt. Nach bisheriger Planung beginnt das Verfahren am 30. September, eine Verschiebung gilt aber als möglich. Milke bleibt bis zu einem etwaigen neuerlichen Schuldspruch auf freiem Fuß, allerdings mit Auflagen. So wurde ihr dem Sender 12News zufolge gleich nach der Freilassung in der Kanzlei ihres Anwalts eine Fußfessel mit einem Gerät angelegt, das es ermöglicht, ihren Aufenthaltsort jederzeit festzustellen.

Außerdem gelte für sie eine nächtliche Ausgangssperre von 21 Uhr bis sechs Uhr morgens. Milke dürfe auch keinen Alkohol trinken und müsse sich von ihrem Ex-Mann fernhalten, der sich überzeugt von ihrer Schuld geäußert hat.

Richterin Rosa Mroz hatte dagegen ihre Entscheidung für eine Kaution damit begründet, dass Milke gute Chancen habe, in dem neuerlichen Prozess endgültig freizukommen. «Die Beweise reichen nicht aus, und die Wahrscheinlichkeit ist nicht groß genug, dass die Angeklagte die ihr zur Last gelegten Verbrechen begangen hat», sagte die Richterin am Bezirksgericht von Maricopa County.

Auch der Lokalsender CBS5 zitierte Experten mit den Worten, dass die Staatsanwaltschaft in dem neuen Verfahren einen schwierigen Stand haben werde. Als Schlüssel gilt dabei, ob die Angaben eines Hauptbelastungszeugen von damals erneut als Beweismittel zugelassen werden und wenn ja, ob die Jury diesmal diesem Zeugen glaubt.

Der Ermittler hatte im ursprünglichen Prozess ausgesagt, dass Milke ihm die Mitschuld an dem Mord gestanden habe. Für diese Behauptung gibt es aber weder Beweise noch Zeugen. Der Polizist hatte überdies seitdem in anderen Fällen vor Gericht falsch ausgesagt. Eine gerichtliche Anhörung darüber, ob seine Aussage zugelassen wird, ist für den 23. September geplant.

12News zufolge wird Debra Milkes Mutter Renate Janka am Sonntag in Phoenix erwartet, um ihre Tochter erstmals seit langen Jahren in die Arme zu schließen. Janka, die ein Buch über den Fall geschrieben hat, kämpft seit Jahren für ihre Tochter - unterstützt von Prominenten wie Uschi Glas, Günther Jauch und Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. «Das ist ein ganz, ganz großer Gewinn. Wir freuen uns», sagte Glas der Nachrichtenagentur dpa am Freitag. «Für mich war immer klar, dass sie unschuldig ist.» Laut einem Bericht der «Bild»-Zeitung will die Schauspielerin Milke, die 1964 als Tochter einer Deutschen und eines US-Soldaten in Berlin geboren wurde, in den USA besuchen.

Das Urteil gegen Milke war stets umstritten, weil es fast ausschließlich auf den Aussagen des Ermittlers über ein angebliches Geständnis basierte, das Milke nie abgelegt haben will. «Ich bin unschuldig», hatte sie etwa in einem Interview mit der Lokalzeitung «New Times» beteuert. Ihr Ex-Mann sagte dem TV-Sender Fox News, Milke sei hinter Gittern besser aufgehoben.