Defizit steigt: Krankenversicherten drohen höhere Beiträge

Angesichts steigender Defizite der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) müssen deren Versicherte im kommenden Jahr mit höheren Beiträgen rechnen.

«Zum Jahreswechsel ist ein Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes um 0,2 bis 0,3 Beitragssatzpunkte realistisch», sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes Florian Lanz in Berlin. «Für die Mehrausgaben für Kliniken, Ärzte und Medikamente reicht der gesetzliche Einheitsbeitragssatz nicht», fügte Lanz hinzu.

Die gesetzlichen Krankenkassen fuhren nach einem Bericht des «Handelsblatts» im ersten Halbjahr 2015 ein Defizit von fast einer halben Milliarde Euro ein. Bei den Innungskrankenkassen habe sich das Defizit binnen Jahresfrist auf 118 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Mit einem Minus vor rund 100 Millionen Euro schnitten demnach die Betriebskrankenkassen ähnlich ab. Bei den Ersatzkassen sei der Fehlbetrag zwar geschrumpft, betrage aber immer noch 191 Millionen Euro. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) verzeichneten in diesem Zeitraum ein Defizit von 110 Millionen Euro.

Der Beitragssatz zur Krankenversicherung setzt sich seit Jahresbeginn zusammen aus einem allgemeinen, festen Bestandteil von 14,6 Prozent, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte bezahlen, sowie einem Zusatzbeitrag. Diesen müssen die Kassen je nach Finanzlage regelmäßig neu bestimmen, er wird allein von den Arbeitnehmern aufgebracht. Für das laufende Jahr wird mit einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozentpunkten gerechnet.

Das Ministerium wollte sich dazu nicht äußern. Es verwies auf den Schätzerkreis, der seine Prognose im Oktober vorlegen will. Die «Bild»-Zeitung zitierte indessen aus einer Unterrichtung des Bundestages durch das Finanzministerium, in der «eine Steigerung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags bei der Gesetzlichen Krankenversicherung» nicht mehr völlig ausgeschlossen scheint.

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink sagte, die Versprechungen von sinkenden Beiträgen für die Versicherten seitens Minister Hermann Gröhe (CDU) noch Ende letzten Jahres «waren nur Augenwischerei. Klar ist: Bis 2017 werden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Zusatzbeiträgen von 1,4 bis 2 Prozent rechnen müssen.» Durch das Einfrieren des Arbeitgeberanteils bei der GKV-Finanzreform müssten nun allein die Versicherten die stetig steigenden Kosten schultern.

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse warnte davor, drohende Kostensteigerungen im Gesundheitswesen ausschließlich auf die Versicherten abzuwälzen. «Von einem funktionierenden Gesundheitssystem profitiert der Wirtschaftsstandort insgesamt, daher sollten auch die Arbeitgeber an der Finanzierung der höheren Kosten beteiligt werden», sagte KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit.