Degenkolb feiert historischen Sieg bei Paris-Roubaix

John Degenkolb musste nach seinem historischen Triumph improvisieren. Anstelle der geplanten Heimreise rief der deutsche Klassikerspezialist seine Teamkollegen zur spontanen Feier ins Teamhotel im belgischen Nazareth zusammen.

Degenkolb feiert historischen Sieg bei Paris-Roubaix
Etienne Laurent Degenkolb feiert historischen Sieg bei Paris-Roubaix

«Wir haben Geschichte geschrieben. Dieser Pflasterstein gehört nicht nur mir, sondern dem ganzen Team», sagte Degenkolb, der beim gefürchteten Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix den ersten deutschen Sieg seit 119 Jahren eingefahren hat.

«So viele Fahrer haben es probiert, wir haben es geschafft. Das macht mich unglaublich stolz», sagte Degenkolb. Ob Rudi Altig, Didi Thurau, Olaf Ludwig oder Steffen Wesemann - viele deutsche Fahrer waren nah dran am Triumph auf der ehrwürdigen Betonpiste in Roubaix. Zum zweiten deutschen Sieg nach Josef Fischer, der die Premiere des Rennens 1896 gewann, hatte es aber nie gereicht - bis am Sonntag Degenkolb kam.

Der gebürtige Thüringer hatte sich mit dem Sieg einen Kindheitstraum erfüllt. «Sanremo war schon sehr emotional, aber das übertrifft alles. Das ist das Rennen, von dem ich immer geträumt habe, es einmal zu gewinnen. Es ist einfach unglaublich», betonte Degenkolb, der nach 253,5 Kilometern, davon 57,5 über die gefürchteten Pavés, vor dem Tschechen Zdenek Stybar und dem Belgier Greg van Avermaet gewann.

Realisieren konnte Degenkolb den Erfolg noch nicht. «Dafür habe ich jetzt die Zeit. Ich muss mich erholen von den Strapazen, auch vom mentalen Stress», ergänzte der 26-Jährige, der nun bis zum Heimrennen in Frankfurt am 1. Mai eine Pause einlegt. Die hat er sich auch verdient. Schließlich hatte Degenkolb schon vor drei Wochen bei Mailand-San Remo triumphiert, ein weiteres Rennen der fünf Radsport-Monumente.

Damit hat Degenkolb in diesem Jahr den Sprung zum gereiften Klassikerfahrer geschafft, nachdem er in der Vergangenheit schon wichtige Rennen wie Paris-Tours oder Gent-Wevelgem gewonnen hatte. «Es ist wichtig, Schritt für Schritt besser zu werden und eine gesunde Basis zu haben. Ich habe fünf Jahre für den ersten Sieg in Roubaix gebraucht», sagte Degenkolb auch mit Blick auf die gewachsenen Strukturen im deutschen Giant-Alpecin-Team. «Dass ich damals zu diesem Team gewechselt bin, war die beste Entscheidung, die ich je gemacht habe.»