DEL-Halbfinals begeistern Fans: Erneut Wolfsburg-Drama?

Dramatik, Emotionen, Leidenschaft - die Halbfinal-Spiele am Freitagabend in der Deutschen Eishockey Liga boten alles, was diesen Sport so faszinierend macht. Die Gemütslage könnte bei den vier beteiligten Clubs unterschiedlicher kaum sein.

DEL-Halbfinals begeistern Fans: Erneut Wolfsburg-Drama?
Jens Wolf DEL-Halbfinals begeistern Fans: Erneut Wolfsburg-Drama?

EHC MÜNCHEN

Der Vorrundenprimus greift erstmals nach dem DEL-Meistertitel und löste im ausverkauften Olympia-Eisstadion große Emotionen aus. Nationalspieler Frank Mauer schoss sein Team erst 23 Sekunden vor dem Ende zum 5:4-Endstand gegen Köln und damit erstmals ins Endspiel. Und das elf Sekunden, nachdem Kölns Dragan Umicevic in der Schlussminute erst ausgeglichen hatte: Wahnsinn. Fast das ganze Stadion sprang auf und feierte minutenlang.

«Das war ein unglaublicher Kraftakt. Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen», meinte der Matchwinner. Genug Zeit zum Regenerieren bleibt nun nach dem vorzeitigen Ende der Halbfinalserie - München gewann nach Siegen 4:1: Das erste Finale findet erst am kommenden Freitag (19.30 Uhr) in München statt.

KÖLNER HAIE

Der achtmalige Champion erlebte eine ganz bittere Endphase. «Es ist traurig, dass unser Weg so endet», stammelte Verteidiger Moritz Müller. Für die Haie war es insgesamt eine kuriose Saison mit etlichen Wendungen. Lange blieben die Rheinländer weit hinter ihren Erwartungen zurück, Trainer Niklas Sundblad musste im Januar gehen. Erst Nachfolger Cory Clouston schaffte es überhaupt noch gerade so in die Playoffs. Von Vorrunden-Platz sieben kämpften sich die Haie bis ins Halbfinale und leisteten ersatzgeschwächt auch am Freitag großen Widerstand. Am Ende alles umsonst. «Wir hatten ein unglaubliches Jahr, es war unser bestes Spiel hier in München», meinte Müller.

GRIZZLYS WOLFSBURG

Sollten die Grizzlys im Halbfinale erneut scheitern, hätte dies fast schon etwas dramatisches. Es wäre das dritte Halbfinal-Aus in Serie. Zum fünften Mal in den vergangenen sechs Spielzeiten stehen die Niedersachsen in der Vorschlussrunde, nur einmal reichte es auch zum Final-Einzug (Niederlage 2011 gegen Berlin). Gegen Nürnberg sah das Team von Pavel Gross nach drei Siegen aus drei Spielen schon wie der sichere Finalteilnehmer aus. Doch nach der zweiten Pleite am Stück kommt plötzlich das Nervenflattern zurück.

Am Freitag führte Wolfsburg 2:0 und verlor noch in der Verlängerung, in der Serie steht es nur noch 3:2. Erinnerungen an das vergangene Jahr wurden wach. In drei von vier Halbfinalspielen führten die Grizzlys gegen den späteren Meister Mannheim 2015 bereits 3:0 - Wolfsburg verlor alle. «Für Wolfsburg wird es nun ein ganz harter Weg, die Rückschläge zu verdauen», unkte Nürnbergs Siegtorschütze vom Freitag, Patrick Reimer.

NÜRNBERG ICE TIGERS

In der sechsten Minute der zweiten Verlängerung schlug DEL-Topscorer Reimer zu und krönte den tollen Kraftakt der Franken. «Wir haben bewiesen, wie viel Charakter in dieser Truppe steckt», sagte der abgekämpfte Matchwinner. Nürnberg ist wieder zurück in der Serie und sieht sich vor Spiel sechs am Sonntag (14.30 Uhr) nun im Vorteil. «Man hat gesehen, dass wir am Ende noch mehr im Tank hatten», sagte Reimer.