Der Durchschnittsminister: Jurist, 54, zwei Kinder

Jurastudium, Doktortitel, evangelisch, männlich, in den Fünfzigern, zwei Kinder - so etwa sieht der Durchschnittsminister in der neuen Regierung aus. Ein Soziologe, eine Mathematikerin und eine Mutter von sieben Kindern sind da echte Besonderheiten.

Der Durchschnittsminister: Jurist, 54, zwei Kinder
Oliver Dietze Der Durchschnittsminister: Jurist, 54, zwei Kinder

Das neue 16-köpfige Bundeskabinett besteht nämlich aus jeder Menge Juristen, rund 44 Prozent, um genau zu sein. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist einer davon, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ein anderer und Justizminister Heiko Maas (SPD) ein dritter. Für den Durchschnittsminister passt in Sachen Bildung also ein Teil ganz sicher ins Puzzle: das Jurastudium.

Sigmar Gabriel (SPD), Wirtschafts- und Energieminister, fällt in dieser Hinsicht aus dem Rahmen. Er ist Lehrer. Parteikollegin Andrea Nahles, neue Arbeits- und Sozialministerin, ergeht es ähnlich: Statt für Jura hatte sie sich für Literaturwissenschaften entschieden.

Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verschlug es mit Mathe und Physik in den Bereich der Naturwissenschaften. Und Agrarminister Alexander Dobrindt (CSU) wählte eine der oft beschworenen brotlosen Künste: die Soziologie. Die ihn nicht so brotlos dastehen lässt - siehe neuer Ministerposten.

Gabriel stimmt dafür in anderer Hinsicht perfekt mit dem Durchschnitt im Kabinett überein: Er ist evangelisch. Das sind mehr als die Hälfte der Kabinettsmitglieder, anteilig ausgedrückt rund 56 Prozent. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD), Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), Innenminister Thomas de Maizière (CDU) - sie alle gehören zur Gruppe der Protestanten. Katholiken sind mit etwa 44 Prozent in der Unterzahl - dazu gehören zum Beispiel die Vertreter der CSU im neuen Kabinett, neben Dobrindt also Agrarminister Hans-Peter Friedrich und Entwicklungsminister Gerd Müller.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist als Ärztin bei der Bildung zwar nicht Durchschnitt. Dafür hat sie etwas anderes, das passt: den Doktortitel. Mit etwa 56 Prozent hat den nämlich die Mehrheit. Allen voran die Kanzlerin, Frau Dr. Merkel. Schäuble, Steinmeier, Friedrich, de Maizière, Wanka, Müller und die neue Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) haben ebenfalls promoviert.

Bei der Kinderzahl liegt von der Leyen dafür wieder über die Quote. Sieben Kinder - das sind fünf mehr als das Mittel. Den Schnitt zieht sie damit deutlich hoch. Aber auch Schäuble und Gröhe haben mit vier Kindern doppelt so viele wie der Durchschnitt. Der liegt mit zwei Kindern übrigens auch über der bundesweiten Quote, die rund 1,4 Kinder pro Frau beträgt. Kinderlos sind nur zwei Minister: der neue Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) und Barbara Hendricks. Und auch die Kanzlerin hat keine eigenen Kinder.

Bei der Frauenquote hat sich im Vergleich zur Koalition aus FDP und CDU/CSU nichts geändert: Weiterhin sind fünf Ministerinnen vertreten, plus die Kanzlerin. Das sind 37,5 Prozent. In der großen Koalition 2005-2009 lag die Quote mit 44 Prozent höher.

In Altersfragen gibt es keine krassen Ausreißer. Einen Jungspund wie in Österreich, wo der 27 Jahre alte Sebastian Kurz neuer Außenminister ist, hat das deutsche Kabinett nicht. Die jüngste ist die neue Familienministerin Schwesig mit 39 Jahren, Schäuble ist mit 71 Jahren der älteste. Das Mittel liegt bei 54 Jahren. Damit ist das Kabinett ein paar Jahre älter geworden. Der Durchschnittsminister war in der vorherigen Koalition noch 51 Jahre alt.

In den 54 Jahren enthalten sind allerlei Regierungserfahrungen, die der Durchschnittsminister schon gesammelt hat. Merkel regiert seit 2005, Wanka ist noch relativ frisch, sie wurde erst seit Februar 2013 Bildungsministerin und macht nun in dieser Position weiter. Steinmeier übernimmt als Außenminister einen Posten zurück, den er von 2005 bis 2009 unter der damaligen großen Koalition schon einmal hatte. De Maizière war bislang Verteidigungsminister und wechselt nun ins Innenministerium, von der Leyen vom Arbeits- in das Verteidigungsressort. Und Schäuble muss erst gar nicht wechseln: Er bleibt auf seinem Posten als Finanzminister.