Der Holocaust im Bild: «Birkenau» von Gerhard Richter

Baden (dpa) - Das vierteilige Monumentalwerk «Birkenau» von Gerhard Richter steht im Mittelpunkt einer Ausstellung in Baden-Baden. Die abstrakten Bildertafeln entstanden nach Fotografien, die ein jüdischer Häftling 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau heimlich aufgenommen hat.

Der Holocaust im Bild: «Birkenau» von Gerhard Richter
Uli Deck Der Holocaust im Bild: «Birkenau» von Gerhard Richter

Die großformatigen Bilder hat Richter 2014 gemalt. Sie waren schon vor einem Jahr im Dresdner Albertinum zu sehen - da allerdings noch als «Abstrakte Bilder». Das Museum Frieder Burda präsentiert sie nun von diesem Samstag an bis zum 29. Mai erstmals in Deutschland unter dem Titel «Birkenau».

Die Fotos waren Ausgangspunkt für die erste Schicht auf den Tafeln, die Richter (83) immer wieder übermalte. Die Gräueltaten, die sie dokumentieren - Scheiterhaufen mit Leichen von Menschen, die von den Nazis ermordet wurden - sind auf den düsteren, schwarz, rot, grün und grau übermalten Bildern nicht mehr zu erkennen.

Richter sammelt schon seit den 1960er Jahren Holocaust-Fotos. Trotz früherer Anläufe - in die Malerei hat Richter das Thema erst mit «Birkenau» umgesetzt. Für Kurator Helmut Friedel wird in dem Werk «das Grandiose eines gereiften 'Altersstils' sichtbar». Im Ringen um die Malerei habe Richter ein «Denkmal» geschaffen.

Vor Beginn der Ausstellung wurde am Donnerstagabend in Baden-Baden in Beisein von Gerhard Richter die neue Dokumentation «Mit meiner Vergangenheit lebe ich» (Suhrkamp Verlag) präsentiert. Darin stellt Ivan Lefkovits die Memoiren von 15 Holocaust-Überlebenden vor, darunter auch seine eigene Lebensgeschichte. Jedes dieser Zeugnisse wird von einem Bild des Künstlers begleitet.

«Birkenau» wird im Museum Frieder Burda rund 30 großformatigen, meist abstrakten Gemälden und Skulpturen sowie vielen kleineren Arbeiten und Fotografien gegenübergestellt - von Richter selbst, aber auch von Zeitgenossen wie Carl Andre, Sol LeWitt, Blinky Palermo, Imi Knoebel, Sigmar Polke, Andy Warhol, Clyfford Still, Adolph Gottlieb und Willem de Kooning.

Gerhard Richter ist einer der international bedeutendsten Künstler - und mit Abstand der teuerste deutsche Maler. Dass seine Werke regelmäßig Rekordpreise erzielen, quittiert der 83-jährige gebürtige Dresdner regelmäßig mit Kopfschütteln. Es ist für ihn vor allem ein Beleg dafür, wie «irrsinnig» sich der Kunstmarkt entwickelt hat.