Der Papst spricht vor den Vereinten Nationen

Auf der zweiten Station seiner ersten Reise durch die USA wird Papst Franziskus heute vor den Vereinten Nationen in New York sprechen. Dort wird er vermutlich auch zu den Themen Klimawandel, Einwanderung und Kapitalismus Stellung nehmen.

Am Abend hatte sich Franziskus in New York mit Kardinälen, Bischöfen und Priestern in der St. Patricks Kathedrale zum Gebet getroffen. Dort gedachte er der Opfer der Massenpanik in Saudi-Arabien und nahm in einer Ansprache noch einmal kurz Stellung zum Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche in den USA in ihren Grundfesten erschüttert hatte.

Franziskus sagte: «Ich weiß, dass ihr als Priestergemeinschaft (...) in letzter Zeit sehr unter der Schande gelitten habt, die von vielen Mitbrüdern verursacht wurde, welche die Kirche in ihren wehrlosesten Gliedern verletzt und empört haben.» Er wisse, dass die Priester aus einer Zeit großer Bedrängnis kämen, und er versicherte sie seiner Begleitung in einer schwierigen und schmerzlichen Zeit.

Der Papst ist seit Dienstag in den USA. Der 78-jährige Argentinier war noch nie zuvor in den USA. Sein Programm bleibt auch in New York sehr politisch. Er ist der vierte Papst, der die USA besucht.

Nach der Ansprache vor den Vereinten Nationen wird Franziskus zu einem interreligiösen Treffen am Ground Zero erwartet, dem Ort der Anschläge des 11. September 2001. Außerdem besucht der Papst eine Schule im Stadtteil Harlem. Eine Messe im Madison Square Garden beendet am Abend diesen Besuchstag.

Am Samstag wird Franziskus weiter nach Philadelphia reisen. Dort nimmt er am Welttreffen der Familien teil; es ist der eigentliche Anlass seines Besuchs. Eine Messe mit bis zu zwei Millionen Teilnehmern bildet aus Sicht der Kirche den eigentlichen Höhepunkt der Reise.

Am Vortag hatte Franziskus in seiner historischen Rede als erster Papst vor dem US-Kongress deutliche Worte gefunden, aber auch manche Streitthemen vermieden. Er kritisierte Waffenlieferungen und die Todesstrafe.

Außerdem rief der Papst dazu auf, keine Angst vor Fremden zu haben. Angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise forderte er unter großem Applaus eine menschliche, gerechte und brüderliche Reaktion. Seine etwa 50-minütige Ansprache vor den Mitgliedern der beiden Parlamentskammern wurde 40 Mal von Beifall unterbrochen.

Am Sonntag fliegt der Papst zurück nach Rom.