Der Professor wird 60: Prost einer der Größten der F1

Er lieferte sich mit Ayrton Senna DAS Duell der Formel-1-Geschichte. Er wurde viermal Weltmeister, gewann rechnerisch jedes vierte Rennen. Mehr Titel als Alain Prost sammelten in 65 Jahren der Motorsport-Königsklasse bisher nur die Ikonen Michael Schumacher und Juan Manuel Fangio.

Der Professor wird 60: Prost einer der Größten der F1
Jens Buettner Der Professor wird 60: Prost einer der Größten der F1

Am 24. Februar feiert der Franzose Prost seinen 60. Geburtstag - und er ist noch so umtriebig wie früher. Prost ist Mitgründer eines Teams in der Formel E, in dem einer seiner beiden Söhne fährt. Er reiste in der vergangenen Saison als Markenbotschafter für Formel-1-Hersteller Renault um die Welt. Prost ist leidenschaftlicher Golfer und hält sich sichtlich fit, gern auch auf dem Rad querfeldein. Hindernisse stellten auch in Prosts Rennfahrerkarriere lange einen besonderen Anreiz dar.

«Er hat einen Platz als einer der größten Fahrer in der Formel-1-Geschichte sicher», heißt in der Rubrik «Hall of Fame» auf der Homepage der Formel 1. Auch wenn die Konflikte und Kontroversen seiner Karriere etwas von seinen beachtlichen Errungenschaften schmälern würden. «Er hat vier Titel gewonnen, aber auch vier Teams verbittert verlassen.»

So wie McLaren, einst seine Rennsport-Familie, nach einem völlig eskalierten Teamduell mit dem charismatischen Senna. Dem Liebling der Massen aus Brasilien, der längst nicht so lieb auf der Strecke war, auf der einen Seite und dem Sohn eines Möbelmachers aus Saint-Chamond an der Loire auf der anderen Seite. Sechs Jahre fuhr Prost insgesamt für den britischen Traditionsrennstall. 30 seiner 51 Siege feierte er in einem Wagen aus Woking. Er wurde 1985 in einem McLaren der erste französische Formel-1-Weltmeister.

Und doch endete diese Beziehung in Trümmern, als die WM 1989 mit einem Unfall in Suzuka zwischen Prost und Senna entschieden wurde. Senna setzte zum Überholen an, Prost machte zu, die beiden McLaren kollidierten. Senna wurde am Grünen Tisch disqualifiziert. Prost war der Titel nicht mehr zu nehmen. Es war der dritte nach 1985 und 1986.

Ein Jahr später crashte es wieder in Suzuka zwischen den beiden, Prost fuhr da schon für Ferrari. «Was er gemacht hat, war widerlich. Er ist ein Mann ohne Werte», ereiferte sich Prost damals Richtung Senna. Fast unglaublich, aber wahr: Prost selbst hatte sich vorher für Senna als neuen Teamkollegen ab der Saison 1988 ausgesprochen. «Wenn ihr ein starkes Team haben wollt, nehmt einen jungen, nehmt einen mit Zukunft. Nehmt Ayrton», erzählte Prost einmal rückblickend in einem Interview des Senders Skysports. «1989 wurde dann zu einem absoluten Desaster», räumte Prost rückblickend ein.

1993 wurde Prost vor Senna zum vierten Mal Weltmeister. Nach seinem Rausschmiss bei Ferrari und einem Jahr Pause hatte der Franzose bei Williams angeheuert. Dass Senna ab 1994 auch für Williams und nicht mehr für McLaren fahren sollte, war zuviel für Prost. Er trat zurück. «Ich habe keine Lust mehr, mich öffentlich verletzen zu lassen», sagte Prost, der den Spitznamen Professor wegen seiner durchdachten Herangehensweise ans Rennfahren bekommen hatte.

«Der Sport hat mir viel gegeben, aber ich habe entschieden, dass das Spiel es nicht mehr wert ist.» Prost, der 1971 in einem Kart seine Rennsport-Karriere gestartet hatte, war fertig. Und das nach einer Laufbahn, die erfüllte, was die französische Sportzeitung «L'Équipe» dem 1,60 Meter großen Franzosen prophezeit hatte: «Kein Zweifel, der kleine Prost wird ein Großer.»