Der schwere Gang des «Special One»: Fehlstart für Chelsea

José Mourinho ist nervös. Fußballtrainer dürfen nervös sein, vor allem dann, wenn der Start ihrer Mannschaft in eine neue Spielzeit nicht so verläuft, wie das von ihnen verlangt wird. Bei Mourinho ist das anders.

Der schwere Gang des «Special One»: Fehlstart für Chelsea
Peter Powell Der schwere Gang des «Special One»: Fehlstart für Chelsea

Der Trainer des Londoner Vorzeigevereins FC Chelsea darf niemals nervös ein. Sein schwerreicher Vereinsboss Roman Abramowitsch hat den einstigen Starcoach von Real Madrid, Inter Mailand und Porto für viel Geld nach London zurückgeholt, weil der Portugiese den Ruf hat, der Coolste, der Abgebrühteste, der Unangreifbarste in der ganzen Branche zu sein. «The Special One» eben.

Statt den Abgeklärten zu geben, macht Mourinho zu Beginn der Premier-League-Saison 2015/2016 Dinge, die Fans seines Teams seltsam finden. Als der Saisonauftakt vor einer Woche mit einem mageren 2:2 gegen den walisischen Liga-Nobody Swansea gründlich in die Hose geht, wirft er die Teamärztin hinaus. Eine «Überreaktion», wie selbst eingefleischte Chelsea-Fans es in Sozialen Medien nannten.

Am Sonntag wird Mourinhos Truppe im Spitzenspiel bei Ex-Meister Manchester City «nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen», wie es die BBC formulierte. Der schlechteste Saisonstart für die «Blauen» seit Jahren. Und die Sportmedizinerin taugt diesmal nicht als Prügelknabe.

Mourinho, der mit Chelsea im vergangenen Jahr die Premier League gewann, steht bei seinem Lieblingsclub vor der Frage, ob er immer noch der ist, der immer alles richtig macht. Auf dem Transfermarkt hatten die West-Londoner, die am Wochenende den Augsburger Abdul Rahman Baba verpflichteten, vergleichsweise zurückhaltend agiert, Titelkonkurrenten wie Manchester United, Manchester City oder der FC Liverpool gaben deutlich mehr für Neuverpflichtungen aus.   

Beim 0:3 beim direkten Titel-Konkurrenten ManCity wurden prompt massive Schwächen des Meister-Teams offenbar, vor allem in der Abwehr. Mourinho nahm zur Halbzeit sogar den indisponierten John Terry vom Feld. Der Innenverteidiger stieg bei Chelsea mit über 30 noch einmal zum Kapitän auf, in der vergangenen Meistersaison spielte er jede einzelne Minute jeder einzelnen Partie. «Er hat nicht getanzt in der Kabine», sagte Mourinho nach der Niederlage in Manchester in einem Anflug alter Coolness. Ansonsten verlor sich der Starcoach in Ausreden und Beschönigungen, die selbst bei seinen Fans Stirnrunzeln hervorriefen.

Sein Team habe in der zweiten Halbzeit «die volle Kontrolle» über das Spiel gehabt. Mit Manchester City habe lediglich die Mannschaft gewonnen, die «in der ersten Hälfte besser» war. Und, als ob er die öffentliche Kritik förmlich herbeirufen wolle: Manchesters Sieg sei ein «fake result», ein Ergebnis, das über den Spielverlauf hinwegtäusche. 

Phil McNulty, der Fußball-Chefkorrespondent der BBC, gibt Mourinho auf sarkastische Weise recht. Das Ergebnis täusche in der Tat. «Chelsea hätte leicht auch mit fünf Toren Unterschied verlieren können», meinte der Kommentator. Zur Spitze, zu der nach zwei Siegen auch Manchester United mit Bastian Schweinsteiger gehört, hat Mourinho mit Chelsea fünf Punkte Rückstand - «The Special One» geht einen schweren Gang.