Deutsche Aktien auf Rekordjagd trotz Griechenland-Drama

Auch das Griechenland-Drama hat die Rekordjagd am deutschen Aktienmarkt am Freitag nicht gestoppt. Das hochverschuldete Land verhandelte am Abend mit der Eurogruppe über eine Verlängerung des auslaufenden Kreditprogramms mit offenem Ausgang.

Trotz dieser Ungewissheit erreichte der Dax einen Rekord bei 11 081 Punkten. Händler begründeten den plötzlichen Kurssprung mit Wetten am Terminmarkt, die am Mittag ausgelaufen waren. Viele Anleger hätten sich aber angesichts des Sondertreffens in Brüssel eher zurückgehalten. Der Dax schloss mit einem Plus von 0,44 Prozent bei 11 050,64 Punkten so hoch wie nie zuvor.

Auf Wochensicht gewann das Barometer der 30 wichtigsten deutschen Aktienwerte 0,80 Prozent. Der MDax mittelgroßer Konzerne schraubte seine Rekordmarke am Freitag auf 19 689 Punkte. Vor dem Wochenende stand aber nur ein mageres Tagesplus von 0,04 Prozent auf 19 657,07 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,75 Prozent auf 1551,21 Punkte. Das ist der höchste Stand seit Sommer 2001.

Zum dritten Mal innerhalb weniger Tage trafen sich die Finanzminister der Eurogruppe in Brüssel, um über einen Ausweg aus dem Schuldenstreit mit Athen zu beraten. An der Börse wurde auch schon über einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone - den sogenannten «Grexit» - diskutiert. «Sofern die Vernunft siegt verschwindet ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor - das dürfte deutlich höhere Kurse bringen», sagte Marktexperte Uwe Eilers von der Geneon Vermögensmanagement AG.

Zudem sorgten einige Unternehmenszahlen für Bewegung an den Börsen. Die Krise in der Ukraine, die in dieser Woche die Märkte mit beherrscht hatte, rückte in den Hintergrund.

Schlechte Nachrichten gab es aber für die Aktionäre der Lufthansa: Deutschlands größte Fluggesellschaft enttäuschte sie nicht nur mit ihrem Jahresergebnis. Sie will auch die Dividende für das abgelaufene Jahr einbehalten. Die Aktie büßte 4,25 Prozent ein.

Tagesgewinner im Dax war dagegen die T-Aktie  mit einem Kursplus von 1,69 Prozent. Händlern zufolge profitiert die Telekom weiter von guten Zahlen im US-Mobilfunkgeschäft, die die Tochter T-Mobile US am Vortag vorgelegt hatte.

BMW-Aktien kletterten um 1,51 Prozent nach oben. Die Umsätze der deutschen Hersteller auf den lange schwächelnden Automärkten vieler Euroländer legen wieder deutlich zu. Dies geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens EY hervor, die der Deutschen Presse-Agentur dpa vorlag. Die Anteile am deutschen Sportartikelhersteller Adidas knüpften im Kielwasser teils positiver Analystenstudien mit plus 1,40 Prozent an ihren Anstieg an.

Der EuroStoxx 50 gewann 0,07 Prozent auf 3490,53 Punkte. Auf Wochensicht legte der Eurozonen-Leitindex um 1,25 Prozent zu. Er kletterte auf den höchsten Stand seit Mitte 2008. Den Cac-40-Index in Paris trat nur auf der Stelle, der FTSE-100-Index in London legte zu. An der New Yorker Wall Street stand der Dow Jones Industrial etwas im Plus.

Die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere stieg auf 0,30 (Vortag: 0,29) Prozent. Der Rentenindex Rex gewann 0,05 Prozent auf 140,16 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,20 Prozent auf 158,83 Punkte. Der Eurokurs fiel: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1298 (1,1387) Dollar. Der Dollar kostete damit 0,8851 (0,8782) Euro.