Deutsche Aktien geben zur Wochenmitte nach

Negative Vorgaben der internationalen Börsen haben am deutschen Aktienmarkt für Verluste gesorgt. Der Dax verlor bis zum Mittag 0,42 Prozent auf 8910 Punkte.

Der MDax fiel um 0,49 Prozent auf 15 733 Punkte, und der TecDax gab 0,24 Prozent auf 1120 Punkte ab. Am Vortag hatte es im Leitindex wie auch bei MDax und dem Kleinwerteindex SDax neue Rekordmarken gegeben - der TecDax schloss auf dem höchsten Stand seit Februar 2002. Der Dax hatte die neue Messlatte auf über 8987 Punkte gelegt. In der Eurozone ging es zur Wochenmitte ebenfalls abwärts: Der EuroStoxx 50 stand um 0,95 Prozent tiefer bei 3017 Punkten.

Der positive Effekt des schwachen US-Arbeitsmarktberichts für die Märkte sei mit den Gewinnen vom Vortag zunächst verdaut, hieß es von Händlern - Korrekturen seien nun möglich. Hoffnung auf eine spätere Drosselung der ultralockeren Geldpolitik in den USA hatte die Indizes am Dienstag angetrieben.

Zudem belasteten schwache asiatische Börsen. Der Anstieg der chinesischen Geldmarktsätze überlagere aktuell die Aussicht auf weiter billiges Geld, kommentierte Marktstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital. Am Geldmarkt leihen sich Banken untereinander Geld - ein scharfer Anstieg der Zinssätze gilt als Anzeichen für Stress im Bankensystem. Anleger nutzten die erreichten Kursniveaus unterdessen auch für Gewinnmitnahmen, sagte Marktanalyst Kornelius Barczynski vom Broker GKFX.

Am Dax-Ende standen Bankentitel. Aktien der Deutschen Bank verloren nach einem Medienbericht über eine angebliche Strafe für die Rabobank im Libor-Skandal zweieinhalb Prozent. Die niederländische Bank muss nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg für einen Vergleich mit britischen und amerikanischen Behörden eine Milliarde US-Dollar auf den Tisch legen. Bloomberg beruft sich auf informierte Kreise. Die Bank lehnte am Mittwoch eine Stellungnahme dazu ab.

Eine Strafe in dieser Höhe läge deutlich über den Schätzungen von Analysten, kommentierte ein Händler. Entsprechend negativ wäre das Signal für die anderen Banken, deren mögliche Beteiligung an einer Manipulation des Referenzzinssatzes Libor untersucht werde. Zudem kündigte die Europäische Zentralbank am an, vor dem Start der europäischen Bankenaufsicht die Bilanzen von 124 Geldhäusern im Euro-Raum genau durchleuchten zu wollen - und dabei eine Quote von 8 Prozent an sogenanntem harten Kernkapital zu verlangen. Commerzbank-Titel sackten um drei Prozent ab.

MTU-Aktien rutschten am Vormittag zunächst ins Minus, drehten aber gegen Mittag wieder ins Plus und gewannen zuletzt rund ein Prozent. Der Triebwerksbauer verdiente in den Monaten Juli bis September zwar weniger als vor einem Jahr - das war von Analysten aber bereits erwartet worden. Ein Händler sagte, die Münchener hätten bei den Gewinnkennziffern besser abgeschnitten als erwartet - zudem sei die Prognose bestätigt worden.

Deutlich aufwärts ging es an der TecDax-Spitze mit sieben Prozent Aufschlag für Bechtle. Mit den Eckdaten zum dritten Quartal habe der IT-Dienstleister seine und die Erwartungen des Marktes übertroffen, sagte Analyst Thomas Hofmann von der Landesbank Baden-Württemberg.