Deutsche Aktien verlieren wegen schwindender Fantasie

Die deutschen Aktienindizes haben am Dienstag nach einem zögerlichen Auftakt den Rückwärtsgang eingelegt. Händler sprachen von einer abwartenden Haltung vieler Investoren ohne klare Nachrichten.

Der Leitindex Dax rutschte bis zum Nachmittag um 0,88 Prozent ins Minus auf 9114 Punkte. Er scheint damit nach der Korrektur in der Vorwoche einen Erholungsversuch abzubrechen. Der MDax mittelgroßer Werte fiel zuletzt um 0,76 Prozent auf 15 925 Punkte, der Technologie-Auswahlindex TecDax verlor 0,32 Prozent auf 1138 Zähler. Der EuroStoxx 50 stand 0,57 Prozent tiefer.

Anleger warteten auf Impulse von der US-Notenbank in der kommenden Woche, sagte Marktanalyst Arkadius Barczynski vom Broker GKFX. Viele Börsianer rechnen bei der Zinsentscheidung der Fed mit einem behutsamen Einstieg in die Drosselung der ultralockeren Geldpolitik.

Als Stimmungsdämpfer wirkte auch die Europäische Zentralbank (EZB). EZB-Direktor Benoît Coeuré hält zunächst keine weiteren geldpolitischen Aktionen zur Bekämpfung der niedrigen Inflation für notwendig. Ähnlich hatten sich zuletzt auch andere hochrangige EZB-Vertreter geäußert. Zudem beschäftigten Zahlen zur EU-Industrieproduktion die Märkte. Während die Entwicklung in Frankreich enttäuschte, überraschte Italien positiv.

Die Papiere der Commerzbank standen mit dem Bankensektor im Blick. Sie verteuerten sich nach einer Kursziele-Erhöhung an der Dax-Spitze um 3,13 Prozent auf 11,04 Euro und erreichten damit den höchsten Kurs seit sieben Monaten. Laut einem Händler wirkte aber auch eine Analyse positiv, derzufolge die Überprüfung großer Finanzinstitute durch die EZB keine Gefahr für die Kreditwürdigkeit mit sich bringen sollte. Zudem scheine die «Volcker-Regel» zur schärferen Kontrolle der Finanzindustrie in den USA weniger strikt auszufallen als befürchtet.

Titel der Merck KGaA verloren am Dax-Ende 1,76 Prozent und setzten damit ihre Schwächephase fort. Die Darmstädter hatten in der Vorwoche angekündigt, ihr Chemiegeschäft stärken zu wollen. Die Aktie feierte dies mit einem Rekordhoch. Dann setzte aber eine Kurskorrektur ein. Merck bietet für den Spezialchemiehersteller AZ Electronic Materials rund 1,9 Milliarden Euro.

Die Aktien von EADS rutschten nach der Bekanntgabe von Details zum geplanten Jobabbau mit minus 3,10 Prozent ans Ende. Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern schließt beim angestrebten Abbau von 5800 Stellen betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Aufgrund langwieriger Verhandlungen mit den Gewerkschaften dürften die Einsparungen durch die Umstrukturierung kaum vor 2015 spürbar werden, kommentierte ein Händler die negative Reaktion. Celesio-Papiere gaben um 0,43 Prozent nach. Der Finanzinvestor Paul Singer lehnte das Übernahmeangebot des US-Pharmagroßhändlers McKesson erwartungsgemäß ab.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,50 (Montag: 1,51) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,03 Prozent auf 133,06 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,18 Prozent auf 140,29 Punkte. Der Eurokurs stieg. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,3750 (1,3722) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7273 (0,7288) Euro.