Deutsche Bank kauft sich frei - Rekordvergleich im Libor-Skandal

Rekordstrafe für die Deutsche Bank: Deutschlands größtes Geldhaus muss wegen Verstrickungen in den Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze das höchste bislang von angelsächsischen Finanzwächtern in diesem Fall verhängte Bußgeld zahlen.

Die Bank habe einen Vergleich über 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro) akzeptiert, teilte die New Yorker Aufsichtsbehörde DFS am Donnerstag mit.

Die Summe übertrifft die jüngsten Spekulationen, die von einer Buße in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar ausgegangen waren. Mit dem teuren Vergleich kauft sich das Institut aber nicht nur von Ermittlungen in den USA, sondern auch in Großbritannien frei. Den Milliardenbetrag teilen sich das US-Justizministerium, die Derivateaufsicht CFTC und die New Yorker DFS sowie die britische Kontrollbehörde FCA.

Der Libor-Skandal war Mitte 2012 bekanntgeworden. Über Jahre hatten Mitarbeiter mehrerer Großbanken wichtige Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander manipuliert, um eigene Geschäfte zu fördern. Die Deutsche Bank hatte Ende 2013 bereits eine EU-Strafe von 725 Millionen Euro akzeptiert. Der Libor ist ein Richtwert für Finanzgeschäfte im Volumen von Hunderten Billionen Dollar - zahlreiche Kredite sind daran gekoppelt.

Der jetzt abgeschlossene Kompromiss mit den Regulieren hat bei der Deutschen Bank auch personelle Konsequenzen: «Die Bank hat sich von den Mitarbeitern getrennt oder ist disziplinarisch gegen diejenigen vorgegangen, die in das Fehlverhalten im Handelsbereich involviert waren», teilte das Institut nach der Einigung mit. Die Entlassung von sieben Angestellten war eine Auflage der Aufseher.

Ihr Top-Management sieht die Deutsche Bank hingegen entlastet. «Für kein gegenwärtiges oder ehemaliges Vorstandsmitglied wurde festgestellt, dass es Kenntnis über das Fehlverhalten im Handelsbereich hatte oder daran beteiligt war.» Das Institut ließ sich jedoch ein Schuldbekenntnis abringen und gibt damit Verwicklungen in kriminelle Handlungen in den USA zu. Außerdem gesteht die Bank ein, dass ihre Kontrollsysteme unzureichend waren.

Bereits am Vorabend hatte die Deutsche Bank angekündigt, dass sie im ersten Quartal ihre Rückstellungen für Rechtsrisiken um weitere 1,5 Milliarden auf zuletzt wohl fast fünf Milliarden Euro erhöhen musste. Trotz allem werde unter dem Strich noch ein Gewinn stehen, versprach das Institut Aktionären bereits. Die Vorlage der Bilanz für die ersten drei Monate ist für Mittwoch geplant.

Auch nach der Libor-Einigung schlägt sich die Deutsche Bank noch mit diversen juristischen Konflikten herum. In den USA steht beispielsweise noch eine teure Strafe wegen Preisabsprachen einzelner Händler am Devisenmarkt aus. Die US-Behörden greifen seit der Finanzkrise hart gegen Banken durch, zumindest wenn es um die Verhängung von Geldstrafen geht.