Deutsche Bank legt zu - Neuer Co-Chef beklagt zu hohe Kosten

Die Deutsche Bank hat sich im zweiten Quartal trotz anhaltend hoher Belastungen für Rechtsstreitigkeiten weiter nach oben gearbeitet. Der Vorsteuergewinn kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 34 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern in Frankfurt mitteilte.

Dabei profitierte die Bank vom aktiven Handel an den Finanzmärkten und von günstigen Wechselkursen. Die Erträge stiegen um 17 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Der Überschuss hat sich auf 818 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Vor einem Jahr hatte eine außergewöhnlich hohe Steuerlast die Bilanz belastet. Fortschritte machte die Bank bei der Stärkung ihrer Kapitalquoten.

«Das solide Ertragswachstum unterstreicht die grundlegende Stärke unseres Geschäfts», erklärte der seit Juli amtierende Co-Chef John Cryan. «Allerdings werden auch unsere Herausforderungen deutlich: Inakzeptabel hohe Kosten, anhaltend hohe Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten, zu bilanzintensive Geschäfte und insgesamt eine Rendite für unsere Aktionäre, die zu niedrig ist.»

Die Kosten stiegen im zweiten Jahresviertel um 17 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Damit lag die Aufwand-Ertrags-Quote bei 85 Prozent. Die Bank gibt also für jeden eingenommenen Euro 85 Cent wieder aus. Das gilt im internationalen Vergleich als zu hoch.

Die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten schlugen mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche, fast dreimal so viel wie vor einem Jahr. Insgesamt hat die Bank für juristische Altlasten nun 3,8 Milliarden Euro reserviert. Die Rechtsrisiken, für die noch kein Geld zurückgelegt wurde, bezifferte die Bank nun auf 3,2 Milliarden Euro. Als größter noch offener Sorgenfall gelten umstrittene Geschäfte mit verbrieften Immobilienkrediten in den USA aus der Finanzkrise.

Immer wieder hatten Fehleinschätzungen zu den Kapitalvorgaben der Aufsichtsbehörden sowie Milliardenstrafen wegen zahlreicher Skandale Löcher in die Bilanz gerissen und das Image der Bank ramponiert. Die seit Juni 2012 amtierende Doppelspitze Anshu Jain/Jürgen Fitschen geriet immer mehr in die Kritik. Bei der Hauptversammlung im Mai straften die Aktionäre das Duo ab. Im Juni stellte der Aufsichtsrat die Weichen für den Neuanfang an der Konzernspitze. Cryan löste Jain Anfang Juli ab. Nach der Hauptversammlung Mitte Mai 2016 soll der Brite Deutschlands größtes Geldinstitut allein führen.